Das Ende ist in Sicht

Es sollte eine monumentale Rede vor einem nationalen Monument werden. Die Bilder passten, die Menge jubelte und doch, Donald Trump ist am Ende seiner Präsidentschaft angekommen. Erst flog Air Force One über Mount Rushmore, dann kam die Trump Familie mit Marine One zum Veranstaltungsort. Jubelreden verschiedener Politiker, die Blue Angels donnerten über den Nationalpark und Trump war sichtlich mit seinem Auftritt vor 7500 Fans zufrieden.

Er sprach von seinen Amerikanern, die er vor diesen anderen Amerikanern schützen wird, die da an der Geschichte Amerikas kratzen, die einen Kulturkrieg über Denkmäler, über die Erinnerung an die Gründungsväter angefangen haben. Trump hat ganz bewusst keine Rede an die Nation gehalten, auch wenn diese Veranstaltung als ein offizielles Event des Weißen Hauses dargestellt wurde. Der Auftritt war eine Wahlkampfveranstaltung, eine Jubelfeier, eine Wohlfühlversammlung für ihn und seine Unterstützer.

Abstand halten, Maskenpflicht, all das war nicht wichtig an diesem Tag, auch wenn die Präsidententochter Ivanka fast zeitgleich in einem Tweet darauf hinwies. Man kann sich da nur fragen, in welchem Land die Trump-Beraterin eigentlich lebt.

Was in dieser Rede und diesem symbolischen Auftritt von Donald Trump aber ganz deutlich wurde, ist, der Präsident ist am Ende seiner Amtszeit angekommen. Mit seinen Angstbildern, mit seinen Rufen nach „Law & Order“, mit seiner bewußten Spaltung der Gesellschaft, mit seinem schlichtweg Übergehen der Corona Krise, mit seiner Verallgemeinerung der Proteste auf den Straßen, mit all dem machte Donald Trump deutlich, dass seine Zeit abgelaufen ist. Die USA sind nicht mehr das gleiche Land wie noch zu Jahresanfang.

Trump versteckt sich hinter der Wirtschaft und erkennt nicht, dass dieses Land in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Durch die Covid-19 Krise und eine längst überfällige breite Diskussion über systemischen Rassismus. Er stellt sich schützend vor Denkmäler, vor das, für was sie stehen, schwafelt von Freiheit, Gleichheit und der besten Nation auf der Erde, erkennt aber nicht, dass das bei einem Großteil der Amerikaner schon lange nicht mehr so gesehen wird. Es ist symbolisch, dass Trump einfach zu dieser heuchlerischen Veranstaltung einflog und so nicht die Proteste der „Native Americans“ sehen mußte, die lautstark darauf hinwiesen, dass ihr Land gestohlen wurde, dass Mount Rushmore eigentlich ein heiliger Ort für sie ist, dass Trump genau hier seine Jubelmesse abhält.

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine tiefgreifende und bislang noch nie in ihrer Bedeutung und Breite dagewesene gesellschaftliche Debatte über Geschichte, Symbole, Rassismus. Trump in seiner Rede beschwerte sich erneut über Sportler, die während der Nationalhymne niederknien, um so gegen Polizeigewalt zu protestieren. Gleichzeitig wird im ganzen Land darüber gesprochen, dass sich Teams, wie die „Washington Redskins“, aber auch High School und College Teams umbenennen, um so endlich mit dem sprachlichen Rassismus aufzuräumen. Der Sportartikelhersteller Nike ging sogar in der vergangenen Woche so weit und entfernte seine Angebote mit dem „Redskins“ Logo aus seinem Online Shop. Kein Wort davon in Trumps Rede.

Selbst in den Reihen der Republikaner erkennen immer mehr, dass Donald Trump nicht für die Partei spricht, sondern mehr für die Trump-Partei, nicht die amerikanische Sichtweise vertritt, sondern das Trumpsche Weltbild. Amerika unter Donald Trump ist nicht mehr das Amerika vor zehn, zwanzig oder auch fünfzig Jahren. Trump hat erreicht, dass sich die USA von ihren einst gefeierten Grundwerten verabschiedet haben. Diese Grundwerte waren zwar nur auf dem Papier zu finden und waren noch nie Realität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber es wurde daran geglaubt. Nun aber wird uns allen genau das vor Augen geführt, dass dieser „American Dream“ wohl wirklich nur ein Traum war. Trump hat es geschafft, dass Amerika aufwacht, sieht und erkennt, dass vieles von dem, was als „great“ gefeiert wurde und wird, gar nicht so „great“ für alle war und ist. Trump jedoch träumt weiter, am 3. November wird er deshalb ein hartes Erwachen erleben.

 

Der Elefant im ethnischen Porzellanladen

Man kann sich denken, wen ich mit dieser Überschrift meine. Genau, Donald Trump. Der hat weder Takt- noch Feingefühl und schon gar kein geschichtliches Wissen. Für ihn sind die Proteste und die Forderungen der „Black Lives Matter“ Bewegung nur ein Grund mehr, von den „einst so blühenden (weißen) Vorstädten“ zu schwärmen.

Doch Trump hat nicht nur Afro-Amerikaner vor den Kopf gestoßen und Einwanderer aus Mexiko und Mittelamerika mal ganz pauschal als „Vergewaltiger, Kriminelle und Gangmitglieder“ bezeichnet, Muslime als „Terroristen“ gebrandmarkt, das Leben für Asiaten im Land mit seinem „Chinese Virus“ verschlechtert, nein, Trump hat auch kein Interesse daran, auf die Worte und Warnungen der „Native Americans“ zu hören.

Mount Rushmore in South Dakota, George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Foto: AFP.

Für morgen den 3. Juli ist ein gewaltiges Feuerwerk am Mount Rushmore in South Dakota geplant. Es ist nicht überraschend, dass genau dieser Ort den Trump für seine Show ausgewählt hat, ein heiliger Ort der amerikanischen Ureinwohner ist. Geschichtlich betrachtet haben die Vereinigten Staaten gleich mehrmals die „Tribes“ über den Tisch gezogen, Verträge gebrochen, die Indianer als Menschen dritter Klasse behandelt. Sie mußten mit ansehen, wie an einem für sie heiligen Berg vier gewaltige Schädel in den Fels geschlagen wurden, drei von ihnen waren zu Lebzeiten Sklavenhalter und sicherlich keine Freunde der „Native Americans“. Ihre Rechte auf das Land wurden mit Füßen getreten, als bekannt wurde, dass genau dort Gold gefunden wurde.

Und nun kommt der amtierende Präsident und will genau hier in den Black Hills eine weitere Wahlkampfshow vor Tausenden von Anhängern abziehen, das ausgerechnet und erneut in der Corona-Krise. Über zehn Jahre lang durften keine Feuerwerke in der Gegend des „Black Hills National Forest’s Black Elk Wilderness“ abgefeuert werden. Der National Park Service hatte diese aus Angst vor Bränden und einer Belastung für das Trinkwasser verboten. Doch dann kam Trump mit seiner Idee, Regierungsvertreter setzten den Park Service unter Druck, der knickte ein und gab seine Zustimmung. Alles nicht soooo schlimm. Im Februar gab es dann noch ein Treffen mit gleich mehreren Vertretern der Sioux Tribes. Man hörte zu, so die Delegierten der Sioux, aber am Ende sagten die Regierungsvertreter: „We’re still going to have this fireworks display“.

Das passt ins Bild dieses Präsidenten, dieser Administration. Schöne Bilder am Mount Rushmore sind wichtiger als eine historische Schuld anzuerkennen, ein Feingefühl gegenüber anderen zu zeigen. Doch die „Tribes“ machen mobil. Durch die „Black Lives Matter“ Bewegung bestärkt, sind nun Proteste geplant. Die zeigen, egal, wohin Donald Trump in diesen Vereinigten Staaten auch kommt, auf ihn warten nicht nur Jubel-Trumpianer. Und das selbst in konservativen Bundesstaaten wie South Dakota.