Was dieses Land großartig macht

Puerto Rico, Florida und Texas wurden hart von Hurricanes getroffen und hier in Kalifornien lodern Dutzende von Bränden. Nur etwa 80 Kilometer von mir entfernt wälzen sich die Flammen durch das Wine Country von Sonoma und Napa. Der Rauch hat sich wie eine Nebeldecke über die Bay Area gelegt. Ich spreche mit Freunden und Bekannten in Sonoma, bekomme aus der Nähe mit, was passiert und bin dennoch auch beeindruckt von allem. weiter lesen

Was aus Wein alles werden kann

Mit etwas Wein lässt sich manche Kunst einfacher erfahren, erkennen, erleuchten. Manchmal braucht es da auch etwas mehr vom göttlichen Tropfen. Aber Wein und Kunst passen gut zusammen. Das merkt man auch, wenn man durch die nordkalifornischen Weinanbaugebiete in Sonoma und Napa fährt. Zwischen all den Reben macht sich Kunst und Kultur breit. Von gewaltigen Burning Man Skulpturen bis zu kreativen Ideen, was man aus einem alten Weinfass machen kann.

Und dann sind da die Sammler von Kunst. Rene di Rosa war einer von ihnen. Er hat sein Geld mit dem Traubensaft gemacht und damit die Arbeit nordkalifornischer Künstler unterstützt. Zusammengekommen ist eine umfangreiche und einzigartige Sammlung. Zu sehen ist sie in der Carneros Region des Napa Valleys, eine gute Autostunde nördlich von San Francisco, also in Reichweite jedes Besuchers am Golden Gate. Und wer mal mehr sehen möchte als nur die Brücke, Chinatown und Fisherman’s Wharf, wer die kreative Seite dieser wunderbaren Gegend erfahren möchte, der sollte sich einen Wagen mieten und „5200 Carneros Highway, Napa, CA 94559“ in sein GPS eingeben.

Die Landschaft um das di Rosa Anwesen ist einmalig schön. Das Verweilen, das Einatmen dieses Augenblicks ist gewollt und erwünscht. Der Blick über den hauseigenen See, die leichten Wellen der Landschaft, ganz hinten befindet sich der Skulpturengarten der Sammlung, eingerahmt von den Reben. Das Gelände ist weitläufig und voll mit Kunstobjekten. Draußen wie auch in gleich mehreren Gebäuden kann man sich herausfordern lassen und hinterfragen, was Kunst ist, sein sollte und letztendlich sein muß. Eine Galerie am Eingang, alles ordentlich, offen, hell. Dann das Anwesen, ein vollgepferchtes Haus, die Kunst erschlägt einen fast. Wohin soll man blicken? Unzählige Bilder, eine Wanne voller Bowling Kugeln, eine Glocke, Skulpturen, Kunst-Stücke, die mir teils zumindest fragwürdig erschienen. Eine unterirdische Kapelle, in der das Lichtspiel des Tages nachgezeichnet wird. Ein alter VW Scirocco hängt von einem Baum, aufgeknüpft und dem Wetter ausgesetzt. Pfaue stolzieren über das Anwesen, von weitem schon hört man ihre lauten Rufe.

Die di Rosa Kunstsammlung im Napa Valley ist ein Erlebnis. Präsentiert wird die lange und vielseitige Kreativszene dieser Region, der weitläufigen San Francisco Bay Area. Ein Besuch auf dem Anwesen beruhigt, bewegt, begeistert und zeigt einem vor allem, wie beschränkt man durchs Leben wandelt. Denn Kunst ist der Spielball in einer Gesellschaft, den wir nur zu selten an die eigenen Erfahrungsgrenzen kicken. Und das wird hier vor Augen geführt, wenn man denn will. Grenzen werden erweitert oder ganz niedergerissen, das hängt allein vom jeweiligen Betrachter ab. Die weiche Landschaft und dazu diese fordernde Kunst, mit der man sich beschäftigen muss, in der jeder etwas (anderes) sehen kann. Manches ist einfach und direkt, anderes bleibt auch nach langem Verweilen davor verschlossen. Und wieder bei anderem denkt man sich, da hatte einer zu viel Zeit. Zumindest ging es mir so…vor manchen Bildern, Skulpturen, Kunststücken hätte mir dann vielleicht doch ein Gläschen Wein die Erleuchtung gebracht.

Die Rassismusdebatte in den USA

Amerika ist schon ein seltsames Land. Die jüngsten Ereignisse ob in Ferguson oder Baltimore, Chicago oder New York zeigen, dass eine wirkliche Debatte über Ungleichheit, Benachteiligung, alltäglichem und strukturellem Rassismus dringend notwendig wäre. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung muß man sich manchmal schon fragen, warum damals eigentlich Hunderttausende marschiert sind, sich niederknüppeln ließen, zivilen Ungehorsam leisteten, einige ihren Einsatz für gleiche Bürgerrechte mit dem Leben bezahlten. Für was?

Eine Diskussion bräuchte es, doch die kommt nicht zustande. Zumindest nicht auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene. Wie hier über Rassismus gesprochen wird, ist alles andere als hilfreich. Jüngstes Beispiel der Ausflug eines Buchclubs afro-amerikanischer Frauen ins nordkalifornische Napa Valley. Die Gruppe hatte den Trip schon lange geplant. Mit einem „Wine Train“ fährt man zwischen Napa und St. Helena hin und her. Dabei wird Wein verköstigt und allerhand über die Weine und die Region erzählt.

Die Gruppe Frauen war allerdings so laut, dass sich andere Passagiere gestört fühlten und beschwerten. Mehrmals, wie es hieß. Der Schaffner kam einmal  und bat um etwas Zurückhaltung. Keine Reaktion. Der Schaffner kam ein zweites Mal und ermahnte die Damenrunde. Wieder keine Reaktion. Der Schaffner kam ein drittes Mal und meinte, jetzt sei Schluß. Auf den Einwand, das sei doch ein Weinzug, in dem getrunken und gefeiert werde, hieß es, dass sei er eben nicht. Man befinde sich hier nicht in einer Bar.

In St. Helena wurde die Gruppe kurzerhand des Zuges verwiesen. Die Betreiber der Strecke organisierten einen Kleinbus, um sie wieder zurück nach Napa zu fahren. Die Kosten für die Tickets wurden zurück erstattet. Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende. Einige Damen der 11köpfigen afro-amerikanischen Buchgruppe warfen dem Unternehmen nun Rassismus vor, sie seien „erniedrigt“ und nur deshalb des Zuges verwiesen worden, weil sie schwarz seien. Nun verlangen sie eine öffentliche Entschuldigung der Bahnbetreiber. Andere Passagiere widersprechen dem zwar, doch das Rassismus Schwert über dem „Napa Valley Wine Train“ kommt in diesen Tagen gar nicht gut. Eine schlechtere Werbung kann man sich gar nicht vorstellen. Aber dieser Vorfall ist ein gutes Beispiel dafür, auf welcher Ebene sich derzeit die eigentlich wichtige und notwendige Rassismus Debatte in den USA befindet und abspielt.

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Bacchus muß besoffen gewesen sein

Man hat das ja schon mal gesehen. Da sitzt ein Betrunkener auf der Straße, lallt vor sich hin und irgendwann schmeißt er eine Flasche durch die Gegend. Krach-Bumm. So wird der Frust oder der Ärger rausgelassen. Wahrscheinlich war es so am frühen Sonntagmorgen. Bacchus, der Gott des Weines, scheint die Nacht mit den edlen Tropfen aus dem Napa Valley durchzecht zu haben. Irgendwann war er dann randvoll und randalierte.

Weinfässer nach dem Erdbeben in Napa Valley.

Weinfässer nach dem Erdbeben in Napa Valley.

Das Ergebnis ist bekannt, ein 6.0 Erdbeben erschütterte die Region und war in ganz Nordkalifornien zu spüren. Verletzte, zerstörte und beschädigte Häuser, Zehntausende von zerborstenen Weinflaschen und Weinfässer, die durch die Gegend rollten. Darunter zum Teil edle und seltene Tropfen. Auf dem Hess Weingut brachen zwei riesige Tanks mit jeweils 10.000 Gallonen. Etwa 180.000 Flaschen Cabernet Sauvignon wurden anschließend aufgewischt. Das Weingut Glen Ellen verlor rund 50 Prozent seines Weins. David Duncan, Präsident von Silver Oak Cellar, erklärte, bei ihm seien Hunderte von Flaschen mit Spitzenweinen zerstört worden. Fast jedes Weingut in Napa Valley wurde von dem Erdbeben finanziell getroffen. Der Gesamtschaden des Bebens ist noch nicht abzusehen, doch er wird spürbar sein, vor allem für Weintrinker, denn die Preise werden steigen.

Im Desaster hatte man dennoch einen Sinn für Humor. Dave Pramuk von „Robert Biale Vineyards“ seufzte: „Gott sei Dank arbeitete niemand in den Kellern. 3:20 morgens ist eine gute Zeit für ein „Wine Country Earthquake“. Steve Moulds, Präsident der Napa Valley Weinbauern, verlor in den frühen Morgenstunden des Sonntags den Großteil seiner 3000 Flaschen umfassenden Weinsammlung. Er meinte trocken, zumindest habe er nun sein zwanghaftes Ansammeln von Dingen verloren.

 

Unruhige Nacht in Nordkalifornien

Karte des U.S. Geological Survey.

Karte des U.S. Geological Survey.

3:20 Uhr. Mein Bett wackelt. Und nicht nur das, das ganze Haus wackelt. Ein paar Sekunden, dann ist der Spuk vorbei. Während es rumpelt, das Haus knarzt und der Erdboden sich bewegt, liegt man da und wartet. Rappelt es noch länger, soll man aufstehen, sich unter den Türrahmen stellen, kommt noch was? Dann ist es vorbei, man dreht sich wieder um, aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Ein Erdbeben mit Epicenter American Canyon bei Napa Valley. Es ist mit 6.0 das größte Beben seit 1989 und rüttelt Nordkalifornien wach. Strom- und Gasausfall in einigen Bereichen der Bay Area, gebrochene Wasserleitungen, Gebäude- und Straßenschäden.

Gebäudeschäden nach dem Beben in Napa.

Gebäudeschäden nach dem Beben in Napa.

Über Twitter werden die ersten Bilder verbreitet. Lyall Davenport aus Napa postet ein Bild eines demolierten Hauses. Mitarbeiter von Tankstellen senden Fotos von umgestürzten Regalen.

Das Beben führt einem mal wieder vor Augen, wo man eigentlich lebt und was hier passieren kann und passieren wird. „The Big One“ wird kommen. Experten gehen davon aus, dass in den nächsten 30 Jahren ein gewaltiges Beben Kalifornien erschüttern wird. Nur wann? Etwa eineinhalb Kilometer von mir entfernt liegt die Hayward Spalte, im Meer vor San Francisco die San Andreas Spalte. Hinzu kommen noch etliche kleinere „Earthquake Faults“. Jeden Tag wackelt hier die Erde, man spürt es nur nicht. Dieses Beben jedoch erinnert einen wieder daran, dass die Gefahr immer da ist.