OJ ist zurück im Rampenlicht

OJ Simpson nach Jahren im Gefängnis. Foto: Reuters.

Als 1994 in Ruanda Hunderttausende mit Macheten, Knüppeln und Speeren abgeschlachtet wurden, blickte die Welt ganz woanders hin. In Los Angeles waren Nicole Brown Simpson und Ron Goldman ermordet worden, als Verdächtiger wurde der geschiedene Ehemann, der frühere Football Star OJ Simpson ausgemacht. Ein Medienzirkus ohnegleichen begann, der sich hinzog. Simpson wurde der Prozess gemacht, im Oktober 1995 fiel das Urteil der 12 Geschworenen: „not guilty“.

Doch damit waren Simpsons Probleme nicht vorbei. Er wurde in einem Zivilprozess von den Hinterbliebenen von Brown Simpson und Goldman verklagt. Im Februar 1997 sprach eine Jury den Familien 33,5 Millionen Dollar Schadensersatz zu. OJ Simpson war damit finanziell ruiniert. Alles was er hatte, alles was er fortan verdiente wurde eingezogen. Der einstige Superstar der NFL zog nach Florida, um zumindest ein paar Dollar zu retten. Simpson verdiente sein Geld mit Memorabilia und Autogrammstunden, doch die Goldman Familie klagte weiter gegen ihn.

Der Lovelock Correction Center.

Dann kam der September 2007. OJ Simpson stürmte mit ein paar Komplizen in ein Hotelzimmer in ein Hotel in Las Vegas, um, wie er sagte, einige Gegenstände zu holen, die ihm gehörten. Doch ein Gericht sah das anders und verurteilte Simpson wegen bewaffnetem Überfall und Kidnapping zu einer Haftstrafe zwischen 9 und 33 Jahren. Er sitzt derzeit im Lovelock Correction Center in Nevada seine Jahre ab. Nun steht zum ersten Mal eine Anhörung an, in der entschieden werden soll, ob OJ frühzeitig und auf Bewährung aus der Haft entlassen werden kann. Aufgrund des großen Interesses werden Fernsehkameras am kommenden Donnerstag ab 10 Uhr morgens live aus dem Gefängnis übertragen. Unter den Sendern, die OJ Simpson vor dem Ausschuss zeigen wollen, ist auch der Sportsender ESPN. Ob der 70jährige frei kommen wird ist noch unklar. Wenn, dann würden sich für ihn erst im Oktober 2017 die Gefängnistore öffnen.

Der 3. Oktober in den USA

Was war da nochmal am 3. Oktober? Genau, vor 20 Jahren wurde der wohl berühmteste Freispruch unserer Zeit gefällt. „Not Guilty“ hieß es im Gerichtsgebäude von Los Angeles.

     

Mehr als 100 Millionen Menschen in den USA waren damals live dabei, hielten inne und warteten auf die Entscheidung der Jury. Hier Jubel, dort tiefe Bestürzung. O.J. Simpson war für den Doppelmord an Nicole Brown Simpson und ihren Freun Ronald Goldman frei gesprochen worden. Ein Jahrhundertprozess, ein Jahrhundertereignis, ein historischer Fernsehmoment.

Heute am 3. Oktober erinnern sich viele an dieses Ereignis 1995, reden darüber, wo sie damals waren, als die Nachricht vom Freispruch verbreitet wurde. „The Juice“, wie OJ auch genannt wird, hat die 90er Jahre geprägt.

Foto: GKSF.

Foto: GKSF.

Natürlich berichten auch einige Medien in den USA über 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung. Aber für die Amerikaner war der Fall der Mauer ein Jahr zuvor ein größeres und wichtigeres Ereignis als das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten. Ronald Reagans Rede vor dem Brandenbuger Tor, geschützt von kugelsicherem Glas, ist im aktuellen Präsidentenwahlkampf sehr gegenwärtig. „Mister Gorbachev, tear down this wall“. Die Republikaner verweisen auf Reagan und seine harte Haltung gegenüber der Sowjetunion als Beispiel dafür, wie Amerika heute gegenüber Russland auftreten sollte. Obama, so die Einschätzung quer durch die Bank, wird nie ein Ronald Reagan sein.

Im deutschen Generalkonsulat findet heute der alljährliche Empfang zum Tag der deutschen Einheit statt. Es wird gefeiert, erinnert, gesungen. An diesem Tag trifft sich die deutsche Gemeinde am Golden Gate bei Brezeln, Bier und Wein. Die Stimmung wird ausgelassen sein, 25 Jahre deutsche Einheit sind ein Grund zum Feiern. Doch die amerikanischen Gäste wissen, dass bei den Deutschen immer auch kritische Töne durch- und hochkommen. Die Probleme der Einheit, die aktuelle Flüchtlingskrise, die Europäische Union. Bei den Deutschen gibt es keine Jubelfeiern, das erwartet hier auch niemand.

 

 

„The final curtain“ für Leslie Nielsen

Bekannt wie ein bunter Hund. Seine „Nackte Kanone“ und viele andere Filme machten ihn beliebt und berühmt. Am Sonntag starb im Alter von 84 Jahren Leslie Nielsen in Fort Lauderdale. Der in Regina, Saskatchewan (Kanada) geborene Schauspieler stand seit 1950 vor der Kamera. Mit „Airplane“, „Naked Gun“ und schliesslich „Scary Movie“ wurde er zu einer wahren Kultfigur in Hollywood.

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Das Glück verlässt OJ

capt.488dea3aaf7840d29230434bec7ad5bf.aptopix_oj_simpson_nvjh115.jpgAm Freitag glaubten in den USA wieder einige an Gerechtigkeit. OJ Simpson muss nun doch noch ins Gefängnis. Zwar nicht für die Morde an seiner Ex-Frau und ihrem Freund Ron Goldman im Jahr 1995, sondern für einen bewaffneten Diebstahl. Pech für Simpson, dass er in Las Vegas auch noch an eine der härtesten Richterinnen im Bundesstaat Nevada geriet. Die erkannte sein Reuebekenntnis nicht an und verdonnerte den einstigen Football-Profi zu einer satten Gefängnisstrafe von mindestens 15 Jahren. Und auch dem Antrag seiner Anwälte, Simpson bis zum Berufungsprozess auf freien Fuss zu setzen, schmetterte sie ab. Auf OJ wartet nun ein Leben hinter Gittern. Für viele ist das nun das vorläufige Ende einer Endlossaga…doch wie der Name schon sagt, wir werden bestimmt wieder etwas von OJ hören.

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