Kann ich US Präsident werden?

Nein, eigentlich will ich ja gar nicht. Also, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Das wäre echt nichts für mich. Zwei Jahre lang Wahlkampf führen, blöde Fragen beantworten, immer schön lächeln und am nächsten Tag lesen zu müssen, was ich am Vortag gegessen, gelesen, getragen, gemacht habe. Also nein, ich will nicht.

ABER…und das aber ist bewußt groß geschrieben…vielleicht wäre es ja doch möglich. Bislang galt eigentlich immer, dass ein US Präsident in den USA geboren sein mußte. In der Verfassung heißt es: „Natural born citizen“. Aus diesem Grund haben die „Birthers“, die Rechtsausleger der Tea Party Bewegung, auch noch immer nicht aufgegeben, die Legalität von Barack Obamas Präsidentschaft anzuzweifeln. Sie meinen, er habe getäuscht, sei in Kenia geboren und sei eigentlich gar nicht berechtigt das hohe Amt zu besetzen. Auch Präsidentschaftskandidat John McCain mußte begründen, warum er kandidieren darf, denn McCain kam nicht in den USA zur Welt, sondern in der Panama Kanal Zone. McCain allerdings argumentierte, dass diese Zone damals amerikanisches Territorium war.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Interessanterweise gibt es erneut diese Debatte. Der republikanische Senator Ted Cruz will Präsident werden und ihm werden gute Chancen eingeräumt, u.a. hat er die Unterstützung der Tea Party. Cruz allerdings war bis letztes Jahr nicht nur Amerikaner sondern auch Kanadier, denn Cruz wurde in Calgary, in der kanadischen Provinz Alberta, geboren. Seine Mutter war US Amerikanerin, sein Vater ein kubanischer Flüchtling, der auf den kanadischen Ölfeldern arbeitete. Da die Mutter Amerikanerin war hatte der kleine Ted von Anfang an auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Und deshalb meint er, er sei ein „natural born citizen“ und dürfe daher kandidieren.

Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden, was eigentlich diese drei Wörter bedeuten, die von den Gründungsvätern nie klar definiert wurden. Die Frage ist nun, wie weit die Auslegung gehen könnte, also, ob ich mir mit meinem amerikanischen Pass doch noch Hoffnungen machen kann, wenn ich denn wollte, fürs Präsidentenamt zu kandidieren. Denn Bayern war ja amerikanische Besatzungszone, der Besatzungsstatus endete erst mit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Die Frage ist also, ob ein US Territorium dem einer amerikanisch kontrollierten Besatzungszone gleichkommt? Wer nun meint, diese Argumentation sei zu hirnspinstig, der sollte sich mal die Urteile des amerikanischen Verfassungsgerichts in der Vergangenheit ansehen. Da wurden Unternehmen die gleichen Grundrechte wie Personen zugestanden, was bedeutet, dass Unternehmen im Wahlkampf den Schutz der Meinungsfreiheit genießen, also auch dementsprechend laut- und finanzstark auftreten dürfen. Oder die haarsträubenden Urteile zum Waffenbesitz in den USA, die Auslegung was das Recht auf „to bear arms“ wirklich bedeutet. Von daher liege ich doch gar nicht so falsch mit meiner Aussage, dass ich 1968 eigentlich auf amerikanischem Boden geboren wurde, oder?