Das Bild des hässlichen Deutschen

Die New York Times, Foreign Policy, National Public Radio, der San Francisco Chronicle und zahlreiche weitere amerikanische Lokalzeitungen berichten in diesen Tagen über das, was da in Europa passiert. Asylsuchende, die übers Meer kommen und dann weiterreisen. Deutschland ist ein Ziel, wird hier in den USA berichtet. Deutschland nehme in diesem Jahr mehr als eine halbe Million Asylsuchende auf, vor allem aus Syrien. Das alles wird sehr positiv aufgenommen, breit darüber berichtet. Deutschland erscheint als weltoffene Gesellschaft, die helfen will. Viele Freiwillige, so die Korrespondentin von NPR, setzten sich für die Hilfesuchenden ein.

Foto: AFP

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Doch da sind auch Meldungen zu finden, in denen es um Angriffe auf Unterkünfte von Asylbewerbern geht. 202 Übergriffe habe es bislang gegeben, zitiert die New York Times das Innenministerium. Vorra, Tröglitz, Lunzenau, Freital. Kleine Orte in Deutschland, die nun als Ortsmarke in den USA genannt werden. Als Ortsmarke für rechtsradikale und ausländerfeindliche Übergriffe.

Noch berichten die US Medien zumeist positiv über den Einsatz Deutschlands und vieler Deutscher. Hervorgehoben wurden die Worte von Bundespräsident Joachim Gauck, der die Übergriffe als „abscheulich“ und „unerträglich“ bezeichnete. Auch der Kommentar von Anja Reschke in den Tagesthemen wurde lobend erwähnt. Ebenfalls wird in fast allen Berichten über die europäische Flüchtlingskrise davon berichtet, dass es in jedem EU Land zu Protesten gegen die Aufnahme weitere Asylsuchender kommt. Doch auf Deutschland wird nach wie vor besonders geblickt. Damit Vorra in den USA nicht schon bald mit Hoyerswerda oder Rostock gleichgesetzt wird, hängt nun auch von dem vielfach geforderten und etwas banal klingenden „Aufstand der Anständigen“ ab.

 

„What’s Pegida?“

Deutschland macht mal wieder Schlagzeilen. HoGeSa, Pegida und selbst Vorra sind Begriffe, die man in diesen Tagen in der amerikanischen Berichterstattung finden kann. Noch wird einigermaßen objektiv berichtet, doch alleine, dass Fremdenfeindlichkeit, massive Aufmärsche von Neo-Nazis und Schlägertrupps, protestierende „Durchschnittsbürger“ und brennende Asylbewerberunterkünfte wieder in den Medien zu finden sind, ist kein gutes Zeichen. Keine Berichterstattung über Deutschland ist besser als eine, die mit Nationalismus, Xenophobie und verblendeten Glatzköpfen zu tun hat.

HoGeSa Aufmarsch in Köln. Solche Bilder gingen um die Welt.

HoGeSa Aufmarsch in Köln. Solche Bilder gingen um die Welt.

Deutschland wird von außen, vor allem aus den USA, ganz anders betrachtet und bewertet, als das vielen in Berlin, Köln, Dresden und Nürnberg recht ist. Die Bilder der glatzköpfigen Hooligans aus Köln, die marschierenden Ausländerfeinde in Dresden, die Hakenkreuze an den Wänden in Vorra gingen um die Welt. Deutschland, so wird vermittelt, ist noch immer eine Gefahr im Herzen Europas.

Was gegen HoGeSa, Pegida und ausländerfeindliche Organisationen und rechtspopulistische Parteien, wie die AfD, unternommen wird, wie Tausende Deutsche für Asylsuchende und gegen Rassismus auf die Straßen gehen, wie kreativ gegen Neo-Nazis in Wunsiedel protestiert wird, darüber wird nur klein, nebenbei oder gar nicht berichtet. Doch es ist wichtig, es wird auch wahrgenommen und als Deutscher im Ausland tut es gut, darauf verweisen zu können, dass eben nicht „alle“ Deutschen so denken, vielmehr, nur ein kleiner Teil der Deutschen „crazy“ ist.

Ich erinnere mich noch an die Zeit Anfang der 90er Jahre, als sich in Rostock, Hoyerswerda und anderswo fremdenfeindliche Übergriffe häuften. Die Bilder der marschierenden Glatzen, der brennenden Unterkünfte, der grölenden Menge gingen um die Welt, wurden riesig in der Tagespresse aufgemacht. Damals war ich in den USA und konnte auf die kleinen Kurzmeldungen verweisen, die im San Francisco Chronicle untergingen. Eine Meldung freute mich besonders. In einem Fünfzeiler wurde berichtet, dass die Nürnbergerinnen und Nürnberger sich die Hände gaben und die Altstadt symbolisch „blockierten“, „schützten“. Solche Meldungen, solche Nachrichten sind wichtig, auch wenn sie nur „nebenbei“ gebracht werden. Doch es gibt sie. Das zählt!