„I can’t stress enough the importance of being prepared to leave“

Keine guten Aussichten, eine dicke Rauchglocke hängt über allem.

Wenn man solche Worte von der Einsatzleiterin Shana Jones von CAL Fire hört, dann wird es ernst. „If that tingling on the back of your neck says ‚I need to leave,‘ then please do so. Do not wait to be ordered to do so.“ Wenn man das Kribbeln im Nacken spürt, man sollte lieber los, dann solle man das tun. Nicht erst warten, bis offiziell zur Evakuierung aufgerufen wird. Wenn die Einsatzkräfte zum Verlassen des Hauses von Tür zu Tür gehen oder über Lautsprecher dazu auffordern, dann muß alles schnell gehen. Fünf, maximal zehn Minuten bleiben dann. Diese Brände sind schnell, die Flammen fressen sich innerhalb einer Sekunde ein Fußballfeld voran.

Kein Zugang zu den Parks aufgrund der hohen Feuergefahr.

Freunde von mir meinten, sie packen gleich mal ein paar Koffer, damit sie bereit sind, falls es dazu kommt. Als ich das hörte, schaute ich mich hier um. Was muß mit, Unterlagen, Dokumente, Fotos….problematisch könnte es mit der Platten- und CD Sammlung werden. Was ist mit meinen Büchern? Ich glaube, ich werde gleich mal einiges zusammensuchen, rauslegen, den Wagen checken, gestern habe ich noch vollgetankt. Ich lebe in den Oakland Hills, fast direkt am East Bay Regional Park, dem größsten regionalen Parkverbund in den USA. Hier bin ich eigentlich jeden Tag mit meiner Käthe unterwegs. Seit Dienstag nicht mehr, der Park ist aufgrund der Feuergefahr gesperrt.

Im Laufe des Tages werden heftige Winde erwartet, die „dry lightning“ mit sich bringen sollen. Also, trockene Gewitter, die natürlich auf dem ausgedorrten Waldboden zu weiteren Bränden führen können. An über 600 Stellen brennt es bereits in Kalifornien, die Kapazitäten der Einsatzkräfte sind ausgelastet. Am Wochenende kamen nun „Fire Crews“ aus den Bundesstaaten Oregon und Washington im Golden State an. Gouverneur Gavin Newsom bat sogar bei Feuerbrigaden in Kanada und Australien um Unterstützung. Und das inmitten einer Pandemie. Evakuierte meiden derzeit die Sammelunterkünfte, viele von ihnen schlafen lieber in ihren Autos. Ich weiß, all das hätte verhindert werden können, wenn wir hier in Kalifornien nur mehr auf den „very stable genius“ gehört und endlich die Wälder besser geharkt hätten. Gleich morgen schultere ich mir Schaufel und Harke…passend zum republikanischen Wahlkonvent!

Kalifornien brennt

Eine Hitzewelle trifft Kalifornien. Alles ist ausgetrocknet, etliche Blitze haben Dutzende von Feuern, alleine in Nordkalifornien entfacht. Besonders betroffen sind erneut Napa und Sonoma County, das „Wine Country“ in der Region, etwa eine Autostunde nördlich von San Francisco. Tausende von Menschen wurden bereits zur Evakuierung aufgerufen. Mittlerweile hat eines der Feuer auch den nördlichen Teil des „Armstrong Redwoods State Natural Reserve“ erreicht, ein wunderschöner kalifornischer Park, in dem gewaltige Redwoods zu finden sind.

Hitze und Rauch, eine giftige Mischung.

Draußen ist es heiß, dazu eine dicke Rauchdecke. Auch südlich und östlich von Oakland brennt es. Normalerweise kann man von hier kilometerweit blicken, jetzt gerade mal ein paar Hundert Meter. Schon nach wenigen Sekunden draußen brennen die Augen. An Sport oder an einen längeren Spaziergang ist gar nicht zu denken. Die Feuersaison hat in diesem Jahr früh begonnen. Eigentlich ist mittlerweile das ganze Jahr über „Fire Season“. Als ich vor 25 Jahren hierher kam, hieß es immer noch, dass im Frühherbst die Gefahr der großen Waldbrände steige. Das ist schon lange her, brennen kann es nun immer. Kalifornien trocknet aus. In diesem Jahr gab es bislang noch kaum Niederschlag, die andauernde Brandgefahr ist zu einem normalen Umstand im „Golden State“ geworden, da helfen auch nicht guten Ratschläge von Präsident Donald Trump, dass die Kalifornier mehr ihre Wälder harken sollten. Man hofft nur, dass es nicht vor der eigenen Tür brennt. Und doch, ich habe Freunde in Sonoma County, die erneut auf gepackten Koffern sitzen, denn wenn es zu einer Evakuierung kommen sollte, dann bleiben manchmal nur 5-10 Minuten, um das eigene Haus zu verlassen, sich in Sicherheit zu bringen, wissend, dass man sein Zuhause vielleicht nie wieder sehen wird.

Auf den Spuren von Jack London

4,4 Millionen Dollar kostet das Anwesen, in dem Jack London im Sommer 1903 sein Buch „The Sea Wolf“ geschrieben hat. Das Haus in Glen Ellen in Sonoma County gehörte einst seiner Agentin, Netta Eames. Die war nicht nur eine frühe Förderin des Schriftstellers, sondern stellte ihm auch ihre Nichte, Charmain Kittredge, vor, die London später heiratete.

Sowieso sind die Spuren von Jack London in der San Francisco Bay Area reich. Auch in Oakland, kann man auf die Suche gehen und findet schnell wichtige Orte. Ein deutscher Immigrant hat sogar die Weichen für den Erfolg des Schriftstellers – zumindest – mitgestellt. Es muss um 1893 gewesen sein, der junge Jack London vertrieb sich nach der Schule die Zeit in Johann “Johnny” Heinolds “First and last chance” Bar direkt im Hafenbereich von Oakland. An einem Tisch machte er seine Hausaufgaben und hörte den Geschichten der Seemänner zu. Die Abenteuerlust packte den damals 17jährigen.

Die Gefahren und der Mut von Männern durchzieht Londons Werk. Und Jack London, so ist es überliefert, erzählte Johnny Heinold davon, dass er überlege an der University of California zu studieren und Schriftsteller zu werden. Heinold war begeistert und lieh dem Jungen das Geld für das Studium.

Jack London kam auch als namhafter Schriftsteller immer wieder zurück in seinen “First and last chance” Saloon. In seinem Roman “John Barleycorn” wird die Bar ganze 17mal erwähnt. Hier lernte er den Seemann Alexander McLean kennen, den er als Vorbild für seinen “Wolf Larsen” in “Der Seewolf” nahm. Und mit Johann Heinolds Hilfe wurden an dem kleinen Tisch in der Bar die Verträge für drei weitere Jack London Romane unterzeichnet. Noch heute ist die Bar und auch derselbe Tisch an dem der Schüler seine Hausaufgaben machte und der Schriftsteller seine Notizen schrieb an der gleichen Stelle zu finden, am “Jack London Square” in Oakland.

Das ist nur eine kleine Anekdote am Rand in der Geschichte Jack Londons und der deutschen Immigranten am Golden Gate. Als ich von dem Hausverkauf in Glen Ellen erfuhr, mußte ich allerdings daran denken, denn der Saloon ist ein interessanter Ort. Eine alte Kneipe, die zum Teil im Laufe der Jahre abgesunken ist und zwischen all den Neubauten am Jack London Square mehr als auffällt. Wer also San Francisco besucht, sollte mit der Fähre vom Ferry Building am Ende der Market Street zum Jack London Square nach Oakland fahren, ein kleiner Spaziergang entlang des Wassers, um im Außenbereich des „First and last chance“ Saloons ein Bier zu trinken. Ich empfehle ein KSA, ein Kölsch, lokal gebraut von der Fort Point Brewery, eine Brauerei, die sehr stark vom deutschen Brauwesen beeinflusst wird.

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.

Kleines Update aus Nordkalifornien

Mehr als 4000 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Foto: AFP.

Das Kincade Feuer ist weiter gewachsen und dennoch sind die „Fire Fighters“ optimistisch. Seit gestern morgen, nachdem die heftigen Winde etwas abgeflaut waren, konnten einige wichtige Schneisen errichtet, einige kontrollierte Gegenfeuer gelegt werden. Derzeit sind etwa 15 Prozent des Feuers unter Kontrolle. Man hofft, die Brände bis zum 7. November ganz gelöscht zu haben. Betroffen ist nach wie vor eine Fläche in der Größe von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die große Frage ist derzeit, wie sich die heftigen Winde auf die Brände auswirken werden, die heute Abend erwartet werden. Die kommenden 24 Stunden werden alles entscheidend sein.

Tausende von Einsatzkräften sind vor Ort, einige Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben, Tausende Anwohner können wieder in ihre Häuser zurück. Ein Funken Hoffnung gibt es. Dennoch sind nach wie vor Hunderttausende in der Region ohne Strom. Zwar wurden gestern viele Haushalte wieder ans Netz angeschlossen – mein Haus und meine Nachbarschaft blieb allerdings „dark“ – doch für heute Abend ist bereits die nächste massive und weitreichende Stromabschaltung in Nordkalifornien angekündigt worden. Das würde bedeuten, dass ich dann wohl erst am Freitag wieder Strom zu Hause haben werde.

Die Brände in Sonoma County sind auch hier in Oakland, nahezu 100 Kilometer entfernt, deutlich zu spüren. Eine dicke Rauchwolke hängt in der Luft, schon nach kurzer Zeit im Freien bekommt man Kopfschmerzen. Dennoch werde ich gleich mal mit meinem Hund losgehen, nutzt ja nichts, mal sehen, ob ich irgendwo einen Zugang zum Waldgebiet in meiner Gegend finde, der nicht wegen Feuergefahr gesperrt ist.

330 Brände in 20 Stunden

Mit kontrollierten Feuerschneisen gegen den Flächenbrand. Foto: AFP.

Warum fällt mir gerade in so einer Situation diese olle Textzeile aus einem NDW-Klassiker ein „es brennt so gut, bald sieht man nur noch Glut…“. Kalifornien brennt, am Montagmorgen gab Gouverneur Gavin Newsom bekannt, dass innerhalb der letzten 20 Stunden 330 Brände bekämpft wurden. In der Nacht auf Montag nahm das Ausmaß des Kincade Fires in Sonoma County noch einmal zu. Die eineinhalbfache Fläche von Nürnberg ist nun betroffen, gerade mal 5 Prozent sind unter Kontrolle.

Und in Los Angeles, in der Nähe des Getty Centers, ist auch ein Großfeuer ausgebrochen. Im nahegelegenen Brentwood mussten u.a. Arnold Schwarzegger und LeBron James ihre Häuser verlassen. Die Flammen machen vor niemandem Halt. Unterdessen wächst der Ärger über den Stromversorger PG&E, der weder einen klaren Plan, noch glaubwürdige Informationen zu haben scheint, wann der Strom für Hundertausende Haushalte wieder angestellt wird. Dazu kommt, dass das mangelhafte Equipment des Unternehmes etliche der Feuer entfachte. Nach dieser Krise stehen viele offene Fragen im Raum.

Die Winde haben heute etwas nachgelassen, doch das heisst nicht, dass die Lichter wieder angehen. Morgen sollen, so die Meteorologen, erneut heftige Stürme auf uns zu kommen. Die Frage also ist, ob PG&E einfach den Schalter unten läßt, bis auch diese neuen Lüftchen vorbeigezogen sind, oder ob man zwischenzeitlich versucht einige der Haushalte wieder mit Strom zu versorgen. Außerdem muss, so das Unternehmen, jede Stromleitung noch vor dem Einschalten begutachtet werden. Noch Fragen?

Unterdessen kämpfen rund 4000 Feuerwehrleute in Sonoma gegen die Flammen, darunter auch etliche Trupps aus benachbarten Bundesstaaten. Die Krise ist hausgemacht, dass habe ich an dieser Stelle schon mehrmals geschrieben. Dazu kommt der Klimawandel, der in Kalifornien deutlich zu spüren ist, auch wenn an der anderen Küste im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der den „Climate Change“ als „Hoax“, als Schwindel und als von Chinesen erfunden bezeichnet. Schwierige Zeiten hier in den USA und in Kalifornien, die Nachrichtenlage überschlägt sich tagtäglich. Man kann nur auf einen einigermaßen guten Ausgang hoffen.

Und der Strom ist weg

Gestern Abend dann um kurz nach 23 Uhr gingen die Lichter aus. Das sind die USA, das ist Kalifornien, das ist die vielgepriesene High Tech Gegend um das Silicon Valley herum. Drei Millionen Menschen seien von diesem „Black Out“ betroffen, wird berichtet. Und ich bin einer davon. Bei mir heißt das nun nicht nur keinen Strom im Haus zu haben und das für bis zu 48 Stunden, nein, auch die Cell Phone Towers wurden wohl abgestellt, telefonisch bin ich also auch nicht erreichbar, auch kein Internet, um mal zu sehen, wie die allgemeine Lage im brennenden Sonoma oder im stromlosen Oakland ist.

Auch aus dem Auto läßt es sich bloggen.

Gerade sitze ich im Auto rund fünf Kilometer von meinem Haus in den Oakland Hills entfernt. Hier ist die mobile Verbindung einigermaßen gut, also versuche ich mein Feature-Skript über den Hotspot rauszuschicken. Mit der Produktion morgen wird es dann wohl nichts werden. Ohne Strom läuft kein Mischpult, kein Computer, kein Mikrofon. Soviel zu Amerika im Jahr 2019.

Falls man mir anmerkt, dass ich einen dicken Hals habe. Stimmt, den habe ich. Und ja, es könnte schlimmer sein, wenn ich nur an die Brände in Sonoma denke. Die Bilder sind verheerend, mehrere Freunde mussten gestern Abend noch evakuieren, einiges schnell zusammenpacken und raus. Weite Teile des Bezirks sind nun leer, das Feuer konnte bislang nur zu etwa 11 Prozent unter Kontrolle gebracht werden. Am Abend und in der Nacht nahmen die Winde wieder zu, bis zu 90 Meilen pro Stunde nahmen sie Geschwindigkeit auf. Und einzelne Funken können da bis zu zwei Meilen weit mitgetragen werden und an ganz anderer Stelle neue Brandherde entstehen lassen.

Die Situation hier ist kritisch, angespannt, surreal und auch hausgemacht. Kalifornien ist ausgedorrt, der Klimawandel ist deutlich zu spüren. Dazu noch eine vealtete Infrastruktur und ein Stromversorger, der in den letzten Jahren mehr an seine Aktionäre gedacht hat, als an Investitionen in das eigene Netzwerk. Wer mir in den kommenden Monaten nochmal damit kommt, dass das hier „the best nation on earth“ ist, der soll sich warm anziehen. Derzeit reihe ich die USA in eine Liste mit Puntland, Ruanda, Kongo, Tschad, Niger und Sudan ein, denn überall dort, in diesen Entwicklungsländern, habe ich Stromausfälle erlebt. Also nichts mehr mit „America First“, eher wohl, zumindest in bestimmten Bereichen, „America Last“.

Ein Flammenmeer im Wine Country

Das „Wine Country“ brennt. Foto: AFP.

Es brennt im Wine Country. Gerade kam die Nachricht, dass nun Geyserville, Windsor und auch die Kleinstadt Healdsburg evakuiert werden. Das Kincade Fire ist auf eine Größe von zweimal Fürth angewachsen und kein Ende ist in Sicht. Heute Abend rechnen die Einsatzkräfte mit weiteren kräftigen Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Deshalb wurden nun die weiteren und weitreichenden Evakuierungen angeordnet. Denn klar ist, wenn das Feuer weiter wächst wird der Freeway 101 gesperrt werden, dann wäre eine geordnete Evakuierung schwierig, wenn nicht sogar zu spät.

Bislang sind gerade mal zehn Prozent der Flammen unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Windmühlen, derzeit geht es noch immer nur darum, Menschen und auch Tiere zu retten, schnell zu evakuieren, einige gezielte Gegenbrände zu legen. Todesopfer sind bislang noch nicht zu beklagen.

Und wieder mal deutet viel darauf hin, dass PG&E für das Feuer verantwortlich ist. Kaputtes Equipment an einem Strommast soll Funken geworfen haben, genau dort, wo die ersten Flammen gemeldet wurden. Nun will der Stromlieferant zeitgleich zum Brand in Sonoma County Hundertausenden von Kunden den Strom abschalten. Insgesamt sollen dabei mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Auch bei mir und das nicht nur über Nacht, bis zu 48 Stunden sollen hier ab heute Abend die Lichter aus bleiben. Und damit Computer, Herd, Kühlschrank und so weiter. Nicht gerade rosige Aussichten für jemanden, der von zu Hause arbeitet und gerade an einem 30 Minuten Feature sitzt, das ich nicht mit Kleber und Schere zusammen basteln kann. Da taucht bei mir immer wieder die Frage auf, was ich eigentlich in diesem Dritte-Welt-Land mit seiner katastrophalen Infrastruktur mache. Ich lebe in einer Gegend, die als High Tech Schmiede gilt, von der neue Impulse ausgehen. Und was passiert hier, sie schalten den Strom ab, weil der Wind bläst. Das nicht zum ersten Mal, es ist ein hausgemachtes Problem. Meine Güte, verbuddelt die Kabel endlich und gut ist.

Es brennt erneut

Im „Wine Country“ von Sonoma County in Nordkalifornien, etwa eineinhalb Autostunden nördlich von San Francisco, wütet erneut ein Großfeuer. Am gestrigen Abend wurde es gegen halb zehn zwischen den Ortschaften Geyserville und Healdsburg gemeldet. Es wird Kincade Fire genannt, denn an dieser Straße waren die ersten Flammen zu sehen.

Es brennt erneut im kalifornischen „Wine Country“. Foto: Reuters.

Das Feuer ist derzeit nicht zu stoppen. Seit ein paar Tagen wehen wieder extreme Winde über die gesamte Region. Der Stromversorger PG&E schaltet erneut aus „Präventionsgründen“ für Hunderttausende von Menschen seine Leitungen ab, die öffentlichen Parks werden aufgrund dieses „Red Flag Warnings“ geschlossen. Damit will man verhindern, dass ein Funke, eine weggeworfene Zigarette eine Katastrophe auslösen kann. Auch hier in Oakland sind Parks geschlossen, mein Fitnessclub hat die Halloween Party für die kleinen Mitglieder abgesagt, da ein Stromausfall droht.

Im „Wine Country“ geht es derzeit, Stand Donnerstagmorgen, nur darum, Menschen und Tiere zu retten. Die Feuerwehr, Sheriff, Highway Patrol und lokale Polizeieinheiten fahren von Haus zu Haus, um die zwingende Evakuierung durchzusetzen. Einige Anwohner, wie es heißt, widersetzen sich, wollen selbst ihr Hab und Gut gegen die Flammen verteidigen, doch dieser Kampf ist aussichtslos. Ein Löschen des Feuers ist bislang nicht möglich, die Winde kommen von allen Seiten, befeuern die Flammen nur noch weiter, treiben sie vor sich her. Der Brand ist mittlerweile auf eine Größe von Schwabach angewachsen und er wird sich weiter ausbreiten, die heftigen Winde werden noch für ein paar Tage über die Region hinwegfegen. In der hügeligen, teils ausgetrockneten Waldlandschaft mit Unterholz und Grasflächen in Sonoma County frisst sich das Feuer voran. Etliche Häuser und Gebäude wurden schon zerstört, bislang sind noch keine Opfer gemeldet worden.

Von der Maininsel ins Dry Creek Valley

Vor kurzem war ich noch mit Freunden auf der Maininsel bei Volkach unterwegs. Gestern ging es mal wieder ins Dry Creek Valley nach Sonoma County. Was beide Gegenden verbindet, ist die wunderschöne Landschaft und hervorragender Wein.

Im Dry Creek Valley war gestern die sogenannte „Passport“ Veranstaltung, an der ich jedoch nicht teilnahm. Es war viel los im Valley. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen wurde so einiges an Wein verköstigt. Ganze Busladungen waren unterwegs. Ich steuerte hingegen ganz gezielt ein paar Weingüter an, zu denen die ich eingeladen war, die genau meinen Weingeschmack treffen. Passalacqua, Zichichi Winery, Trattore und Hawley. Vier Weingüter mit fantatastischem, doch preislich deutlich höheren Vinos, als auf der Maininsel.

Sonoma liegt etwa eineinhalb Stunden Autofahrt von Oakland entfernt. Eigentlich, doch gestern dauerte es mal wieder zwei Stunden, bis ich ankam. Die Verkehrslage in der Bay Area ist eine Katastrophe geworden. Das ist ein Grund wegzuziehen, denn im Stau steckt man hier so gut wie immer. Und doch, dann kommt man im Dry Creek Valley an, die Stimmung ändert sich umgehend und man genießt eine dieser Perlen dieser Region. Das Wine-Country nördlich von San Francisco ist etwas ganz besonderes, für mich ist es wie mein täglicher Spaziergang mit meinem Hund zwischen den Redwoods des East-Bay Regional Parks. Ankommen und durchatmen, ein bisschen entschleunigen, runterkommen in der überfüllten Bay Area. Und ja, ich empfehle für Nordkalifornienreisende das Weinanbaugebiet von Sonoma und nicht das viel berühmtere und nochmals teuere Napa. Aber das ist Geschmackssache. Was ich Besuchern immer gerne auch in Verbindung mit einem Tagestrip nach Healdsburg und Umgebung zeige (und empfehle) ist der Armstrong Redwoods State Park unweit von Guernville. Dort kann man die richtig großen Redwoods erleben, wie sie sich dem Himmel seit Jahrhunderten entgegenstrecken. Das Leben hier kann durchaus schön sein, wenn man es sehen will.