Covid-19 hinter den dicken Mauern

Auf Deutschlandfunk Kultur lief in der vergangenen Woche meine Serie über meine Freundschaft mit Reno, der seit 40 Jahren im Todestrakt von San Quentin ist. Hier kann diese fünfteile Reihe nachgehört werden.

Und dann kam da vor ein paar Tagen ein Brief aus San Quentin, in dem Reno schreibt, Covid-19 sei bei einem „Correctional Officer“ bestätigt worden. Gefangene hätten sich infiziert und auch im „East Block“, wo die „Death Row“ untergebracht ist, sei Corona entdeckt worden. Keine guten Aussichten für die Inhaftierten, ein „Lock Down“ sei angeordnet worden, das heißt, die Gefangenen kommen ersteinmal nicht mehr aus ihren Zellen raus. Kein Hofgang, kein Gottesdienst, keine Programme. Im Normalvollzug sind sie zu zweit auf vier Quadratmetern untergebracht, im Todestrakt sind sie alleine. Essen, schlafen, nicht durchdrehen auf unbestimmte Zeit und auf engstem Raum. Und die Anweisungen der Gefängnisleitung befolgen, wie „six feet“ Distanz halten, was nicht so einfach ist in einer Zelle, die gerade mal „eight feet“ lang ist.

In der Enge Distanz halten, die Anordnungen der Gefängnisleitung von San Quentin in der Corona-Krise.

„Mit all meinen Gesundheitsproblemen, bin ich besonders vorsichtig, um das Covid-19 Virus nicht zu bekommen, denn ich vermute, ich würde das nicht überleben. Und falls es doch passiert, dann lass mich an dieser Stelle Danke sagen für all die Jahre als mein Freund…Wenn ich mich infiziere, werde ich in eine Isolationszelle im „Adjustment Center“ (dem Knast im Knast, AP) verlegt, wo ich kein Telefon und keine Schreibmaschine haben werde, ich kann Dich dann also nicht kontaktieren. Wenn die Dinge also wirklich ganz schlecht werden, dann könnte dieser Brief der letzte direkte Kontakt mit Dir sein….“

Der Tod im Todestrakt, er schleicht da immer herum. Obwohl ich San Quentin seit über 25 Jahren kenne, über mehrere Hinrichtungen berichtet habe, drei Männer kennenlernte, die am Ende exekutiert wurden, ich zu einer Hinrichtung als Medienzeuge geladen war, noch immer treffen mich solche direkten Zeilen. Ich glaube, man härtet da nicht ab. Man sollte das wohl auch nicht. Eine verrückte Welt hier draußen, eine ganz surreale hinter den dicken Mauern von San Quentin.

Corona als Wahlkampfhilfe

Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien, hält täglich um 12 Uhr mittags eine Pressekonferenz, um über die aktuelle Lage in der Corona Krise zu berichten und Fragen zu beantworten. Auch in anderen Bundesstaaten, vor allem in den stark betroffenen, finden solche täglichen Auftritte der Gouverneure und Regierungsvertreter statt. Auf lokaler Ebene melden sich regelmäßig Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu Wort, hier in Oakland ist Mayor Libby Schaaf sehr aktiv, um die Oakländer zu erreichen.

Donald Trump ist mit sich sehr zufrieden. Foto: AFP.

Und ja, auch das Weiße Haus, lädt Tag für Tag um 17 Uhr Ortszeit Medienvertreter in den „Rose Garden“. Die Trump-Show kann beginnen. Der Präsident nutzt diese live übertragene Pressekonferenz aber nicht nur dafür, um über die aktuelle Lage zu berichten, Trump führt vielmehr Wahlkampf in einem stillstehenden Land. Er greift die Presse an, wie eh und je, dass die falsch berichtete oder Journalisten zu kritische Fragen stellten. Er läßt sich applaudieren von seiner Gefolgschaft, sprich Ministern. Trump verdreht die Tatsachen, lügt ganz offen und vor allem übertreibt er. Nun ist die Rede von 200.000 bis 250.000 Toten in den USA durch die Corona-Krise. Experten weisen diese Modelle weit von sich, da würden Zahlen ganz falsch ausgelegt, heißt es.

Am Anfang sprach Trump noch davon, ein paar Tote und dann ist das überwunden. Er spielte alles herunter, alles kein Problem. Doch dann erkannte er in der Krise die Chance. Nun holt er den Vorschlaghammer raus und hämmert auf die Amerikaner ein. Trump selbst zeichnet ganz bewußt ein Horrorszenario, denn klar ist, zumindest für seine Anhänger, wenn es dann doch nicht so schlimm wird, hat er, der selbsternannte „Kriegspräsident“, alles richtig gemacht. Das ist sowieso der Unterton bei allem, was Trump sagt. Er machte und macht keine Fehler. Die Verantwortung liege bei den Bundesstaaten und den Kommunen, seine Adminstration sei vielmehr nur ein „Back up“ zur Unterstützung und sowieso sei der vorherige Regierung für die dramatische Lage verantwortlich zu machen.

Trumps Wahlkampfteam greift das nur zu gerne auf. Hinzu kommen die FoxNews Köpfe, wie Sean Hannity und Laura Ingraham, die sich täglich mit ihm kurzschalten, so, als ob direkt abgesprochen wird, was und wie für die „Trump Nation“ berichtet werden soll. In den sozialen Medien greifen seine Wahlkampfhelfer begeistert diese Nachrichten aus dem Weißen Haus auf. Trump wird als „großartig“, „weitsichtig“, die „Nation vereinend“ dargestellt. Er und nur er sei in dieser historischen und einzigartigen Situation der wahre und richtige Präsident, der Amerika durch diese größte Krise aller Zeiten führen werde.

„War time president“ Donald Trump nutzt die Lage aus. Der politische Gegner kann keinen Wahlkampf führen, aber er hat den Zugang zu den Medien. Tag für Tag im Rosengarten des Weißen Hauses. Und was er da sagt hat Gewicht, zumindest für seine Anhänger, die er seit Jahren darauf eingestimmt hat, dass nur sein Wort zählt, alles andere, vor allem das, was die „Fake News“, die Lügenpresse berichte, sei falsch. Es ist die ultimative Trump-Show, die hier zur Hochform aufläuft. Was gut ist, dafür ist er verantwortlich, was schlecht läuft, dafür sind die anderen zuständig. Es ist ein gefährliches schwarz-weiß Spiel in der Krise, doch Trump geht es nur um seine Wiederwahl. Um das zu erreichen, läßt er sich auch nicht von einem Virus aufhalten. Die Realität kann man durch eine „Alternative Realität“ ersetzen, das ist unter Trump nicht das erste Mal.

Wie sieht die Situation bei Dir aus?

Von einer ehemaligen Kollegin, die für einen fränkischen Privatsender arbeitet, wurde ich gebeten ein paar Fragen zur aktuellen Lage in den USA zu beantworten. Es war für mich mal wieder was anderes, mich kurz und knapp zu halten.

Wie ist die aktuelle Situation bei Dir vor Ort?
Hier in Oakland und der gesamten San Francisco Bay Area wurden die Ausgangsbestimmungen bis zum 3. Mai verlängert und auch verschärft. Das öffentliche Leben soll weitgehend herunter gefahren werden. Ein Mundschutz soll ab morgen getragen werden, aber eben keiner, der von Pflegekräften benötigt wird. Da kann man also Kreativität zeigen. Die Supermärkte kontrollieren, wie viele Leute in den Laden dürfen, in den noch offenen Geschäften ist ganz klar der Abstand zum Vordermann vorgeschrieben. Dazu wurden nun noch mehr Parks geschlossen. Die Leute werden wirklich dazu angehalten daheim zu bleiben. Ein allgemeines Ausgangsverbot gibt es aber noch nicht.

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus?
Da sieht es nicht viel anders als in Deutschland aus, wobei hier eine einheitliche Linie fehlt und wohl auch die Schutzmassnahmen, wie Masken und Schutzkleidung langsam aber sicher ausgehen. Das hört man aus den verschiedenen Regionen und Einrichtungen. Dazu kommt, dass die Beatmungsgeräte Mangelware sind. Da kann der Präsident noch so viel beschönigen, wie er will, Tatsache ist, es gibt massive Versorgungsprobleme. Die Bundesstaaten werden hier von der Bundesregierung quasi allein gelassen, sie sollen sich selbst welche besorgen. Das ist natürlich keine Lösung und führt auch nicht gerade zu einer Einheit in dieser Krise im ganzen Land.

Was ist mit den Obdachlosen?
Na, die Hotels sind derzeit leer, da hat nun der Staat eine Möglichkeit gefunden, Obdachlose unterzubringen und sie und auch die Allgemeinheit zu schützen. Die Frage ist, wie dieses gewaltige Problem der Obdachlosigkeit in Kalifornien nach der Krise gelöst werden soll. Aber derzeit versucht man alles, um die Leute von der Straße zu bekommen.

Weißt Du, wie es neben New York und New Orleans in den anderen Bundesstaaten aussieht?
Du hast schon New Orleans erwähnt, Louisiana entwickelt sich zu einem Problemstaat. Und das hat Auswirkungen auch auf die umliegenden Bundesstaaten, die alle eine ziemlich schlechte Gesundheitsversorgung und Infrastruktur in diesem Bereich haben, also ich rede von Mississippi, Tennessee, Alabama. Das wird Probleme geben, denn klar ist, nach den Städten und Ballungsräumen in den USA werden auch die ländlichen Gegenden im Mittleren Westen und den Südstaaten davon betroffen sein. Große Probleme gibt es nach wie vor in Washinton State, aber auch Illinois…und auch Florida mit seinen vielen Rentnern, die dort leben, entwickelt sich zu einem deutlichen Krisengebiet.

Wie reagieren die Einheimischen?
Das ist vergleichbar mit der Situation bei Euch. Die einen reagieren, wie sie reagieren sollten. Ziehen sich zurück, befolgen die Anweisungen. Andere wieder machen genau das Gegenteil, meinen sie sind davon nicht betroffen…also da unterscheiden sich die Deutschen kaum von den Amerikanern. Aber ja, der Großteil hält sich schon daran….sagen wir es so, normalerweise bräuchte ich im Berufsverkehr von meinem Haus bis nach San Francisco etwa eineinhalb Stunden…derzeit kann ich zur gleichen Zeit die Strecke in 20 Minuten schaffen. Das zeigt schon, dass hier das öffentliche Leben deutlich und erfolgreich runtergefahren wurde.

Welche Prognosen haben die Fachleute bisher veröffentlicht und inwieweit deckt sich das mit den Prognosen des Weißen Hauses?
Na ja, es wird von Tag zu Tag schlimmer. Anfangs meinte ja Präsident Trump, das sei alles kein Ding, 15 Tote und dann sei die Sache vorbei….Nur wenige Tage später sind wir soweit, dass hier von vielleicht 200.000 Toten in den USA gesprochen wird….Die Prognosen sind derzeit alles andere als gut….für die Amerikaner genauso wie für die amerikanische Wirtschaft.

Was schätzt Du, wie es in den nächsten Wochen weiter gehen wird und wie die Aussichten sind?
Wenn ich das wüßte?….man muss nur zwei, drei, vier Wochen zurückblicken, dann weiss man, wie falsch alle mit ihren Prognosen gelegen haben, vor allem an ganz obiger Stelle…man kann nur hoffen, dass sich die Menschen an diese Ausgangsbeschränkungen halten und dann sehen, ob es hilft….was ich sehe ist auch, dass derzeit in den USA eine einheitliche Linie fehlt, weil Donald Trump das alles als Wahlkampfspektakel nutzt, man muß nur seine täglichen sogenannten „Pressekonferenzen“ ansehen, die zu einer Trump-Show verkommen sind. Das macht es nicht leicht, wenn man den Verdacht hat, dass er den Staaten mehr hilft, die für ihn bei der Wahl im November mehr Bedeutung haben.

Die Evangelikalen stehen zu Trump

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat, ein Teil des sogenannten Bibelgürtels der USA. Hier findet man sehr viele Kirchen und Glaubensgemeinschaften aller christlichen Richtungen. Wer nach Tupelo will, fliegt nach Memphis und fährt von dort nochmals eineinhalb Stunden mit dem Auto weiter. Dort findet man eine der führenden Organisationen der Christliche Rechte, der fundamentalistischen Evangelikalen, in den USA.

Die Headquarters der „American Family Association“ und „American Family Radio“.

“Und nun ein Krieger für das Wort Gottes und die Verfassung der Vereinigten Staaten…” So beginnt die Sendung “The Awakening” von Bishop E. W. Jackson, ausgestrahlt auf dem Radionetzwerk “American Family Radio” auf über 180 Stationen im ganzen Land. “American Family Radio” gehört zur “American Family Association”, einer christlich-fundamentalistischen Organisation, die 1977 von Don Wildmon in Tupelo, Mississippi gegründet wurde. Das Ziel war – und ist – gegen die Verlotterung Amerikas, gegen Pornografie, die, wie sie sagen “Homosexualisierung der Gesellschaft” und für die traditionellen christlichen Familienwerte einzutreten.

Mississippi ist ein konservativer Bundesstaat in den USA, mitten im “Bible Belt”, dem Bibelgürtel der Südstaaten. Tupelo gilt in dieser Region als etwas liberaler. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem als Geburtsort von Elvis Presley. An Elvis kommt man hier nicht vorbei: Statuen und Gedenktafeln, Bilder und Andenken zum Mitnehmen.

Doch um Elvis Presley geht es weder bei der “American Family Association” noch bei ihrem Radionetzwerk. Ganz offen verbindet man Religion mit Politik. Man dürfe zwar keinen Kandidaten offen unterstützen, aber man spreche viel über Politik und darüber, wie sich Kandidaten positionierten, erklärt Tim Wildmon, Sohn des Gründers und seit letztem Jahr “Spirtual Adviser” von Donald Trump, Berater in religiösen Fragen. “Ich wurde vor ein paar Monaten dazu eingeladen, Teil des “Faith Advisory Council” von Präsident Trump zu sein. Es ist keine bezahlte Position, es ist vielmehr ein Gremium christlicher Führer aus allen Teilen Amerikas, die vom Präsidenten und seinem Team gefragt wurden, für ihn zu beten, denn er glaubt an Gebete und ihn auch dahingehend zu beraten, was uns Christen betrifft.”

Schon früh im Präsidentschaftswahlkamf 2016 hatten die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften der Christlichen Rechte in den USA auf Donald Trump gesetzt, denn dieser sprach genau das aus, was sie hören wollten, erzählt Tim Wildmon, der auch der Präsident der “American Family Association” ist: “Viele Christen hatten ihre Vorbehalte gegen Donald Trump. Er war kein Konservativer, er war sicherlich kein Christ im eigentlichen Sinne. Er lebte lange als Playboy, hatte mehrere Ehen und, wie man weiß, nicht gerade den besten Charakter. Aber, er machte eine Menge Versprechungen im Wahlkampf und viele Christen meinten, er sollte eine Chance bekommen.”

Im AFR Studio in Tupelo. Rechts Tim Wildmon.

Gerade was Trump in Bezug auf Pro-Life Richter, also Richter, die gegen Abtreibung sind, versprach kam an. Er betonte, dass er nur Richter einsetzen werde, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche aussprachen. Was bei den Evangelikalen in den USA auch gut ankam war, dass er mit Mike Pence einen “von ihnen” in sein Team holte. Vize-Präsident Mike Pence, der sich selbst als ein “born again Christian” versteht, ist für die Evangelikalen der direkte Kontaktmann in der Regierung. Mit ihm haben sie jemanden, der ihre Ideen von Ehe, Erziehung und Abtreibung umsetzen kann und das auch macht. So jemanden hatten sie bislang noch nie im Weißen Haus.

Dieser Schulterschluß zwischen der Trump-Administration und den Evangelikalen wird auch ganz deutlich, wenn man sich die Sendungen von “American Family Radio” anhört. Donald Trump wird Tag für Tag in den Sendungen gelobt, verteidigt, als jemand gepriesen, der für die Christen im Land kämpft. “Der Präsident hätte ohne die Stimmen der evangelikalen Christen 2016 nicht gewinnen können. Er kann darauf auch in dieser Wahl bauen”, umschreibt es Tim Wildmon. 85 Prozent der Evangelikalen hatten in der letzten Wahl für Donald Trump gestimmt. Neben dem Radionetzwerk unterhält die Family Association auch noch eine Presseagentur mit täglichen evangelikalen Nachrichten und Sichtweisen, dazu wird ein Newsletter verschickt, der nach eigenen Angaben, mehrere Millionen Menschen in den USA erreicht.

Und nun in diesen Zeiten von Covid-19, dem “Social Distancing”, dem in den eigenen vier Wänden bleiben, werden die weit verbreiteten und viel gehörten Radiosendungen des “American Family Radios” zu Gold für Donald Trump. Ein offener, direkter Wahlkampf ist derzeit nicht möglich. Trump hat damit einen Vorteil, denn ein ähnliches Radionetzwerk gibt es nicht für einen Kandidaten der Demokraten. Millionen von Amerikanern, gerade im “Heartland” schalten ein und hören zu, wie die Evangelikalen der “American Family Association” für ihren Kandidaten ins Feld ziehen, um den “Culture War”, den Kulturkrieg in den USA zu gewinnen. Sie sind zum Sprachrohr für Donald Trump geworden.

Doch egal, ob Donald Trump oder der Kandidat der Demokraten am 3. November die Wahl gewinnen wird. Für Tim Wildmon und die Evangelikalen in den USA ist eines ganz klar – sie bleiben und werden weiter für ein christlich fundamentalistisches Amerika kämpfen: “Uns gibt es seit 1977, schon über 42 Jahre, wir verschwinden nicht, wir wachsen weiter, bleiben stark und halten an unserer Botschaft fest. Wir sind mehr als nur diese Konflikte mit den Linken über Abtreibung und Rechte von Homosexuellen. Wir helfen den Leuten der Bibel in Fragen zur Familie und in ihrem täglichen Christsein zu folgen. Das alles führt zu einer Stärkung Amerikas, daran glauben wir.”

Amerika im Wahlkampf

Ach ja, da war ja noch was. Die Demokraten führen noch ihre Vorwahlkämpfe, um zu entscheiden, wer denn nun im November gegen Donald Trump antreten soll. Alles sieht nach Joe Biden aus, aber Bernie Sanders ist nach wie vor im Rennen. Große Veranstaltungen gibt es keine mehr, alles wird online und aus der Sicherheit der eigenen vier Wände geleistet. Joe Biden hat im eigenen Keller ein kleines Sendestudio, aus dem er Fernsehinterviews gibt, von dort wendet er sich an seine Anhänger.

Und die Kameras warten. Foto: Reuters.

Da hat es Donald Trump schon leichter. Er kann zwar derzeit keine seiner beliebten Massenauftritte mehr durchführen, aber Trump hat nun jeden Tag eine Pressekonferenz, die live übertragen wird. Anfänglich waren es noch alle Newskanäle, die den Präsidenten der USA in die Wohnzimmer der Amerikaner brachten. Doch schnell wurden die Stimmen laut, dass Trump diese Pressekonferenzen zur Lage von Corona in den USA als Wahlkampfveranstaltungen nutzt. Jeden Tag stehen mit Trump Unternehmer, Minister, Experten auf der Bühne, die ihn preisen und loben. Ihre vorbereiteten Texte werden vorher vom Weißen Haus abgesegnet. Es sind also keine Überraschungen zu erwarten. Trump sonnt sich in diesem Bad der organisierten Lobhudelei. Mich erinnert das oft an die Auftritte des nordkoreanischen Diktators, der ja alles weiß, richtig macht, erfahren in jeglicher Krise ist, sein Volk sicher durch die schweren Zeiten führt und dafür von Experten, den Armeeangehörigen und dem eigenen Volk bejubelt wird.

Ich weiß, ein böser Vergleich, aber die Pressekonferenzen Trumps sind in diesen Tagen mehr als surreal. Denn wenn ein Reporter kritische Fragen stellt, wie das ja auf Pressekonferenzen auch durchaus sein sollte. Wenn, wie eine Journalistin von PBS, Trump mit seinen eigenen Aussagen aus den letzten Wochen konfrontiert wird, er dann antwortet, das habe er nicht gesagt, dann wundert man sich schon, in welchem schlechten Film man gerade ist.

Sender wie CNN haben sich nun davon zurückgezogen, diese täglichen Auftritte des Präsidenten live zu senden. Gerade auch aus dem Grund, weil er Dinge verdreht, falsch darstellt, ja, offen lügt. Die Pressekonferenzen im „Rose Garden“ sind für Trump Wahlauftritte geworden, so wendet er sich in Zeiten des „social distancing“ an seine Wähler. Und die Einschaltquoten sind hoch. Trump vergleicht seine Auftritte mit „Monday Night Football“ und verkennt mit so einem Vergleich, dass die Nation durch eine noch nie dagewesene Krise geht und eigentlich einen Präsidenten bräuchte, der präsidial auftritt. Der Applaus in den großen Hallen und Stadien fehlt ihm, deshalb müssen nun die Unternehmer im Land den „Commander in Chief“ mit löblichen Worte bejubeln. Trump dominiert derzeit die Airwaves. Biden und Sanders tauchen kaum noch auf. Sie können gar nicht mehr auf das reagieren, was der Präsident da verbreitet. Das ist der Wahlkampf 2020. Ausgang ungewiss.

In der Krise kreativ sein

Ich lebe in Oakland Montclair, einem Stadtteil am Rande der Stadt. Alles wirkt etwas dörflich, man kennt sich nach einiger Zeit. Ich wohne hier seit fast 21 Jahren, da habe ich so einige Veränderungen miterlebt. Anfangs gab es noch zwei „Hardware Stores“, also Läden, die vom Nagel bis zum Wasserrohr alles hatten. Die gibt es nicht mehr, dafür nun ein gutes Dutzend „Nail Studios“ und drei Sushi Restaurants. Montclair hat sich zweifellos verändert und das nicht gerade zum Besseren.

Was mir zur Zeit aber auffällt ist, wie die einzelnen Ladeninhaber mit der Krise, die uns alle betrifft, umgehen. Da gibt es Cafés, wie Peet’s, die lassen niemanden mehr in ihre Räume. Dennoch verkaufen sie Kaffee, direkt von der Tür. Ein Tisch blockiert den Eingang, darauf ein Kreditkarten und Smartphone Lesegerät. Mit Abstand kann man seine Tasse „Joe“ bestellen, selbst „Low Fat Soy Organic Fair Trade De-Caf“, dreimal umgerührt und mit dem Verweis darauf, dass der Kaffee auch wirklich bei Vollmond geerntet wurde. Aber eben alles von der Tür aus. Das geht.

Auch der Käseladen um die Ecke hat auf, er zählt zu den wichtigen Läden in der Krise, die geöffnet haben dürfen. Man darf einzeln eintreten, seinen Käse bestellen und der Shop hat auch eine Riesenauswahl an Wein. Verdursten muß also niemand während einer Epidemie, die nach einem Plörrebier benannt wurde (oder auch nicht).

Da viele derzeit in ihrem „home office“ arbeiten, aber dennoch Dokumente und auch anderes durch die Gegend schicken müssen, haben sowohl die Post, wie auch der UPS Store geöffnet. Auch hier muß man einzeln in den Laden eintreten, sein Paket auf die Theke legen und dann „six feet“ Abstand nehmen. Wirkt etwas seltsam, aber es geht.

Auch in Oakland wird in diesen Tagen viel aufs Klo gegangen.

Im Supermarkt läuft alles ganz normal. Das Angebot ist noch immer reichhaltig, bis auf die „Essentials“ in dieser Krise, wie Toilettenpapier, Mehl, Nudeln, Tomatensoße. Wie das zusammengeht, weiß ich auch nicht, aber da gibt es wohl einen Schnittpunkt, der noch zu erkennen ist.

Montclair ist in diesen Tagen ruhig. Der Spritpreis an der Tankstelle sinkt und sinkt für eine Gallone fast über Nacht. Vor vier Wochen lag er noch bei 3 Dollar 29, nun sind es nur noch 2 Dollar 73. Auf den Bänken entlang der Einkaufsstraße darf man nicht mehr sitzen, das hat das Gesundheitsamt verboten, viele Ladenfronten sind verwaist. Auch der lokale Buchladen, ein überfüllter Verkaufsraum ist geschlossen. Am Fenster hängt ein Blatt Papier, man habe geschlossen, könne keine Aufträge entgegen nehmen, man solle also bitte auch nicht anrufen und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, denn der sei schnell voll. Ich lese das und denke an den Artikel in der NZ, in dem beschrieben wird, wie ein Buchhändler in Nürnberg die bestellten Bücher per Fahrrad ausliefert. Mir fällt das Gespräch im Deutschlandfunk Podcast „Der Tag“ ein, in dem eine Buchhändlerin aus Köln erzählt, wie sie nach wie vor Bücher in ihrem Kiez ausliefert. Ein Mann, so die Buchhändlerin, sei sogar zu ihr gekommen und habe gesagt, er brauche derzeit kein Buch, aber hier sei ein Scheck, sie solle davon zehn Kinderbücher kaufen und diese an Familien verteilen, die derzeit zu Hause sein müssten. Das nenne ich Kreativität in der Krise, anders als mein Buchhändler hier, der die Schotten dicht macht, dennoch in seinem Laden am Computer sitzt und die Welt draußen vorbei ziehen läßt.

Nicht jeder kann in diesen Zeiten kreativ sein, das ist mir klar. Doch vielleicht kann man es zumindest versuchen, und seinen Tag nicht nur damit verbringen, vor dem Fernseher oder dem Computer zu sitzen, ein schlechtes Tagesprogramm oder die verstörenden Nachrichten zu konsumieren, um schließlich nervige und dämliche Verschwörungstheorien über die sozialen Medien in alle Welt zu verbreiten. Ich sag ja nur, es gibt Möglichkeiten…

Im Bett mit Donald Trump

Millionen von Amerikanern kennen Mike Lindell. Zumindest seine Werbeclips, in denen der Oberlippenbartträger ganz freundlich lächelnd ein Kissen kuschelt, an sich drückt und darüber streichelt. „Mypillow.com“ heißt seine Firma, allabendlich ist er damit in den Werbepausen zu sehen und betont seine Kissen seien „Made in USA“.

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Doch Mike Lindells Geschichte hört beim Kopfkissen nicht auf. Er sagt von sich, er habe 2009 Gott gefunden, sei ein „born again Christian“. Nach Crack/Kokain und Alkoholsucht habe er damals sein Leben ganz neu ausgerichtet. Damit nicht genug. Lindell erlebte die Welt am Rande der Zerstörung, der Kulturkrieg in den USA war für ihn Ausdruck der biblischen Prophezeiung. Doch dann kam 2015 und eine Szene, die Lindell so beschreibt: „Ich sehe, wie Donald Trump da die Rolltreppe herunter kommt und verkündet, er kandidiere als Präsident. Für mich war das ein göttlicher und übernatürlicher Moment – es fühlte sich so an, als wenn etwas Wunderbares bevorstehen würde.“

Lindell beließ es nicht bei seinem Staunen, sondern unterstützte fortan die Trump Wahlkampagne. Das fiel auf,  Trump lud den Kissenfabrikanten aus Minnesota zu sich in den Trump Tower nach New York ein. „Ich trat am 15. August 2016 in sein Büro. Als ich nach dem Treffen den Raum verließ, wußte ich, dass Gott ihn in diesen schwierigen Zeiten auserwählt hat.“ Gott habe die Millionen von Gebete erhört, so Lindell. „Und ein Wunder geschah am 8. November 2016“, resümiert der christliche Unternehmer über den Wahltag, an dem Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Auf einer Verstanstaltung christlich-fundamentalistischer Organsiationen im vergangene Jahr stand auch Mike Lindell am Mikrofon und erklärte: „Ich stehe heute vor Euch und sehe den großartigsten Präsidenten aller Zeiten. Natürlich ist er das, denn er wurde von Gott auserwählt.“

Mike Lindells Geschichte ist keine ungewöhnliche in den USA. Die Evangelikalen unterstützten schon früh den Kandidaten Donald Trump. Anfänglich waren sie skeptisch, doch er wußte genau, was er sagen, was er versprechen mußte, um ihren Rückhalt zu bekommen. Vor allem beim Thema Abtreibung ging Trump die paar extra Meter, um sie zu überzeugen. Er machte deutlich, dass er keinen Bundesrichter ernennen werde, der sich nicht eindeutig gegen Abtreibungen ausspricht. Das wollten die Evangelikalen hören. Und dann erkor Donald Trump Mike Pence zu seinem Vize-Präsidentschaftskandidaten. Pence, ebenfalls ein „born again“, war einer von ihnen, ein ganz klares Zeichen dafür, dass sie nun Teil der Trump-Administration sein werden. 85 Prozent der Evangelikalen im Land stimmten 2016 für Donald Trump. In diesem Jahr wird das nicht anders sein, denn Präsident Trump lieferte, was er ihnen im Wahlkampf versprochen hatte. Für sie ist Donald Trump eben von Gott gesandt.

Coronaamerika

Ich mußte heute mal raus. Zuerst in die Bank, parkte mein Auto am Rande der Geschäftsstraße in Oakland-Montclair, um einfach mal in aller Ruhe zu sehen, was da gerade passiert oder eben auch nicht. Die meisten Läden sind geschlossen. Pete’s Coffee Store hat zwar offen, aber niemand darf in den Verkaufsraum. Ein Tisch an der Tür, dort kann man seine Bestellung aufgeben und nur mit Kreditkarte bezahlen. Die Bänke vor den Läden und Cafés sind verwaist, Schilder weisen darauf hin, dass niemand hier sitzen darf.

Nur wenige Restaurants sind geöffnet, und auch nur dann, wenn sie „Take out“ anbieten. Drogerien und Supermärkte haben auf. Und in der Bank, die ich besuchen mußte, wurde das Thermometer hochgefahren, wohl in der Absicht jegliche Viren zu bekämpfen. Auf dem Boden Abstandshalter, um dem Vordermann nicht zu nahe zu kommen, doch es sind kaum Leute in der Bank. Ich sitze schließlich der Managerin in ihrem Büro gegenüber, die im Vergleich zu ihren Mitarbeitern am Schalter hinter dickem Panzerglas weder Mundschutz noch Latexhandschuhe trägt und auch sonst keinerlei Distanzprobleme hat.

Nach gefühlt-geschwitzten 50 Minuten in der überheizten Bank fahre ich zu Trader Joe’s, der Aldi Tochter, eigentlich der Supermarkt meiner Wahl. Doch seit hier die Krisenzeiten ausgebrochen sind, vermeide ich ihn, denn vor dem Laden bildet sich jedesmal eine lange Schlange, sie lassen nur eine bestimmte Anzahl von Leuten hinein. Doch heute bin ich da, um für eine ältere Nachbarin einzukaufen, ich hatte ihr das schon vor einer Woche anbeboten, heute morgen hat sie mich beim Rundgang mit Käthe darauf angesprochen. Also Trader Joe’s…. Die Warteschlange zieht sich um den Laden herum, jeder hält fast zwei Meter Abstand zum Vordermann/frau. Die Frau vor mir blickt sich ständig mit panischem Gesichtsausdruck nach mir um, ob ich ihr auch ja nicht zu nahe komme. Am Eingang sprüht sie sich gleich mehrmals Desinfektionsmittel auf die Hand. Nach zehn Minuten bin ich schließlich drinnen. Die Regale sind voll, bis auf Toilettenpapier, Nudeln, Reis und Bohnen in Dosen. Anscheinend ist das nicht nur ein deutsches Problem.

Einige im Laden sind freundlich, lächeln, andere schauen einen grimmig an, als ob man ein wandelnder Virus sei. Die Mitarbeiter sind mehr als hilfreich, fragen nach, wenn man suchend umherblickt. Sie versuchen wohl die Kunden so schnell wie möglich wieder nach draußen zu bekommen, denn die Schlange vor der Tür wird nicht kürzer. Der Supermarkt liegt gleich neben der Bart Station „Rockridge“, die erhöht zwischen den Autobahnspuren des 24er liegt. Darunter der Parkplatz, der eigentlich immer überfüllt ist. Ich schätze, zwischen 600 und 800 Autos haben dort Platz, heute parkten gerade mal sieben Wagen dort. Skateboarder nutzen die Chance, um sich etwas auf der Freifläche auszutoben.

Das öffentliche Leben wird immer weiter eingeschränkt, Teile der Parks und Parkplätze werden geschlossen, um alles zu entzerren, noch offene Läden und Restaurants müssen schließen. Fast täglich erhalte ich Mails und Anrufe mit der Aufforderung daheim zu bleiben. Unterdessen fabuliert der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von vollen Kirchen am Ostersonntag. Wissenschaftler, bekannterweise nicht gerade die Freunde von Donald Trump, schlagen darüber nur die Hände über den Kopf. Das ist der Alltag im heutigen Amerika.

„Alles unter Kontrolle, Dank Angela Merkel“

In einer gemeinsamen Pressekonferenz verschiedener Bundesminister erklärte Außenminister Heiko Maas, dass Dank der schnellen Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Corona-Krise unter Kontrolle sei. Gesundheitsminister Jens Spahn fügte hinzu, dass die Kanzlerin sich persönlich dafür eingesetzt habe, dass die Krankenhäuser besser mit Test-Kits und Schutzmasken ausgerüstet werden. Auch Innenminister Horst Seehofer betonte, dass die Weitsicht und die frühe Entscheidung von Angela Merkel die Grenzen zu den Nachbarländern zu schließen, die Opferzahlen in diesem „Krieg gegen das Virus“ niedrig halte.

Finanzminister und Vize-Kanzler Olaf Scholz, der bei dieser Pressekonferenz neben der Bundeskanzlerin stand und zunächst ihren Ausführungen über das „China Virus“ nickend zustimmte, wandte sich dann an die Pressevertreter: „Ich möchte unterstreichen, dass Deutschland mit dieser Kanzlerin in sicheren Händen ist. Deutschland hat die besten Mediziner, die besten Wissenschaftler, alle anderen Nationen schauen neidisch auf uns und darauf, wie wir diese Krise meistern.“ Zum Schluß trat noch Wirtschaftsminister Peter Altmaier ans Mikrofon, dankte der Kanzlerin für ihre Unterstützung, ihre Tatkraft und ihre Führungsstärke in dieser schwierigen Lage und kündigte ein umfangreiches Wirtschaftsprogramm von Merkel an, das er in enger Abstimmung und vielen Leitideen der Bundeskanzlerin ausgearbeitet habe. „Dieses Programm“, so Altmaier, „trage eindeutig die Handschrift von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dafür sollten wir ihr danken“. Altmaier klatschte und auch die anderen Minister fielen in den Applaus ein, den Bundeskanzlerin Angela Merkel sichtlich mit sich zufrieden entgegennahm.

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Das ist natürlich nicht passiert, zumindest nicht auf einer Pressenkonferenz in Berlin. Allerdings sehen so die derzeitigen Pressekonferenzen und Auftritte von Donald Trump aus, der sich gar nicht vor Lobhudelei und tiefen Verbeugungen seiner Minister und Administrationsmitglieder retten kann. Trump genießt diese Auftritte, bei denen er Tag für Tag als „Commander in Chief“ dargestellt und gefeiert wird, der alles unter Kontrolle habe. Trump läßt keine Kritik an sich zu. Dass er im Laufe der letzten Wochen und Monate seine Sichtweise zu Covid-19 mehrfach änderte und somit die richtige und rechtzeitige Reaktion auf die Krise verpennte, wird aus seinem Umfeld nicht angesprochen und schlichtweg übergangen. Reportern fährt er über den Mund und erklärt ihre Fragen zu „nasty questions“ oder bezeichnet Journalisten als „terrible people“. Er selbst sagt von sich und seinem Handeln, in dieser Virus-Krise habe er auf einer Skala von 1-10 eine 10 verdient, alles richtig gemacht!

Die allmorgendliche Trump-Show in der Corona-Krise. Foto: Reuters.

Auf den Hund gekommen

Hotels sind immer auf der Suche das besondere Etwas für ihre Gäste zu finden, das, womit sie aus den Angeboten anderer Hotels herausragen. Ein Golf Resort im südkalifornischen Palm Springs setzt da auf die Unterstützung vierbeiniger Helfer und das in Kooperation mit einem lokalen Tierheim. Die Idee dahinter ist, zumindest einige der mehr als 670,000 Hunde vor dem Einschläfern zu retten.

Wenn man in diesem Westin, rund einhundert Meilen nordöstlich von San Diego eincheckt, dann wird der Hotelgast an der Rezeption auch von einem Vierbeiner begrüßt. In dem hundefreundlichen Westin ist man eine ungewöhnliche Partnerschaft mit dem lokalen Tierheim “Animal Samaritans” eingegangen. Hunde aus dem Tierheim werden so den Hotelbesuchern nahe gebracht mit dem Hintergedanken Adoptionen zu ermöglichen.

Raquel Wood vom Westin ist unter anderem auch für dieses Programm verantwortlich: „Wir haben damit im Mai 2015 begonnen und die erste Adoption machte ein Mitarbeiter. Eigentlich alle unserer Mitarbeiter unterstützen dieses Programm. Es ist schon witzig, wenn ein Hund adoptiert wird, kommt gleich die Frage, wann wir den nächsten bekommen werden.“ Und das Konzept scheint aufzugehen, denn in dieser Woche wurde schon der 156te Hund im Westin begrüßt. Normalerweise dauere es so 10-14 Tage bis ein Hund adoptiert wird, erzählt Wood. „Unser Rekord war ein paar Stunden, das war glaube ich Hund Nummer 151, sie war gerade mal eine halbe Stunde hier, da hatten schon einige Gäste die Formulare für sie ausgefüllt. Sie war einfach so süss und beliebt.“

Tom Snyder, der Direktor des “Animal Samaritans” Tierheims in Palm Springs ist begeistert von dem Programm und sieht den Erfolg für alle Beteiligten: „Wir von “Animal Samaritans” können die Hunde so viel mehr potentiellen Hundebesitzern präsentieren. Für das Westin ist es gut, denn sie haben eine ungewöhnliche Attraktion für ihre Gäste, es hilft den Stress abzubauen. Und natürlich ist es gut für den Hund, denn er bekommt so viel Aufmerksamkeit, viel mehr, als er hier im Tierheim von unseren Mitarbeitern und Ehrenamtlichen bekommen könnte. Es lohnt sich für alle und am Ende ist das Ziel ein “Forever Home” für den Hund zu finden.“

Tagsüber ist der Vierbeiner im Lobby Bereich, kann gestreichelt und auch mal zum Spazierengehen auf dem Areal des Resorts mitgenommen werden. Und nach 20 Uhr schläft der Hund im hinteren Bereich der Rezeption, da, wo der Mitarbeiter am Abend auf Gäste wartet. „Die Hunde, die wir hier haben sind kleinere Hunde, so bis zu 15 Pfund Gewicht“, berichtet Raquel Wood. „Also keine Schäferhunde oder Labradors. Mehr Chihuahua oder Pinscher und Terrier Mischlinge. Der größte Hund war wohl ein Cocker Spaniel mit knapp 25 Pfund. Aber das ist eher selten.“

Auch wenn die Hunde von Hotelgästen adoptiert werden, geprüft wird dennoch genau, wohin der Hund kommt. Das, so Tom Snyder, sei für seine Organisation besonders wichtig: „Wir haben da Möglichkeiten in diesen Zeiten mit dem Internet, die Informationen auf den Adoptionsunterlagen zu prüfen. Die Adresse können wir uns über Google Earth ansehen, checken, ob es auch wirklich ein Privathaus und keine Geschäftsadresse ist, oder sehen, ob der Garten eingezäunt ist.“ Beim Prüfen des neuen Zuhauses gibt es keine Abstriche, wer sich für einen Hund entscheidet und in wenigen Stunden einen Flieger nehmen muss, dem wird geraten von der Adoption Abstand zu nehmen oder noch einmal zurückzukommen. Auch das passiert, erinnert sich Tom Snyder: „Einer kam sogar aus Seattle für den Hund zurück, das zeigt uns ganz deutlich, wenn man das auf sich nimmt, dann hat man das Tier wirklich ins Herz geschlossen und wird ein guter Tierhalter sein.“

Für Tom Snyder und auch Raquel Wood sollte dieses Programm Schule machen, denn ein Hund, da stimmen sie überein, ist eine Bereicherung für jede Hotellobby. Und es würde so manchen Vierbeiner vor dem sicheren Einschläfern retten.