„Can’t you see this is the land of confusion?“

Melania Trump erzählt von ihrem „American Dream“. Foto: AFP.

Es ist so ganz anders. Letzte Woche die Demokraten mit ihrem Konvent und diese Woche sind die Republikaner dran. Amerika könnte nicht unterschiedlicher sein. Und man sieht nicht nur den Graben, der beide politischen Lager trennt. Es erinnert schon sehr an das, was ich als Kind bei meiner Oma in Dortmund-Mengede, erlebt habe. Da floß so ein Fluß, der stank zum Himmel, die Emscher. Das Wasser grau, man wollte als Kind gar nicht am Ufer spielen, so übel war der Gestank. So stelle ich mir diesen Graben vor, der durch die Mitte Amerikas verläuft.

Gestern ging es beim Wahlkonvent der Trump-Partei um Immigration. Es sollten so Wohlfühlmomente entstehen, die ganz bewußt am Rande des rechtlich erlaubten stattfanden. Denn Donald Trump und sein Wahlkampfteam nutzten das Weiße Haus als Foto-Opportunity, um Wahlkampf zu machen. Das dürften sie eigentlich nicht, aber dieser Präsident darf wohl alles. Trump begnadigte einen entlassenen Bankräuber, der hinter Gittern und mithilfe eines FBI-Agenten wieder auf die richtige Spur kam. Trump hielt eine Einbürgerungszeremonie für fünf handverlesene Immigrantinnen und Immigranten und dann sprach auch noch First Lady, Melania Trump, im Rose Garden über ihren so engagierten Mann, der kaum zur Ruhe komme, um Amerika zu retten. Melania Trump erzählte ihre Geschichte als Immigrantin. Und die ist wohl alles andere als typisch für all jene, die ins gelobte Land USA kommen wollen.

Auch meine Geschichte ist untypisch, auch die der gut ausgebildeten fünf Immigrantinnen und Immigranten, die von Donald Trump ihre Einbürgerungsurkunde überreicht bekamen. Was bei diesen Bildern fehlte, ist, dass die Stimme aus dem Off erklärt, Amerikas Grenzen sind dicht. Jedenfalls für die, die keinen Hochschulabschluß, viel Geld oder mehr als gute Kontakte in den USA haben. Und auch in Übersee investieren die USA oftmals nur noch dann in Hilfsprojekte, wenn sie denn der Erweiterung der eigenen Märkte dienen, „America First“ eben. Das wiederum führt zur Vernichtung von lokalen und regionalen Märkten, was zu einer Ausweitung von Armut, Arbeits- und Hoffnunglosigkeit führt, die dann in ein Nur-Noch-Weg mündet. Doch jene haben keine Chance. Die Politik Amerikas ist unter Trump darauf ausgerichtet, niemanden mehr reinzulassen. Selbst an Menschen aus Kriegsgebieten wie Afghanistan, Irak, Syrien, in denen die USA eine maßgebliche Rolle spielten und spielen, werden kaum noch Visa vergeben.

Und dann erzählt Melania Trump im Designerkleid vor einer vor allem weißen, maskenlosen Zuhörerschaft im Rose Garden des Weißen Hauses von ihrem „American Dream“, von ihrer Einwanderungsstory. Davon, wie sie ihr „Be Best“ Programm umsetzt, dass sich gegen „Bullys“ einsetzt, während der Ober-Bully mit langer, blauer Krawatte in der ersten Reihe zuhört und immer mal wieder zufrieden lächelt. Das ganze Spektakel ercheint einfach falsch. Es ist Wahlkampf, ja, da wird viel erzählt und versprochen. Aber das, was die Republikaner um Donald Trump hier abziehen ist wie aus einer ganz anderen Welt, schlichtweg verlogen. Die „Fact Checker“ in den Redaktionen kommen bei der geballten Anhäufung von verschwurbelten Reden schon gar nicht mehr nach. Trump will mit dieser außerordentlichen Trump-Show einfach nur ein Ziel erreichen, die Reihen seiner Basis schließen, seine Wählerinnen und Wähler wieder zum Urnengang mobilisieren. Das sollte dann auch wieder reichen, so die Milchmädchenrechnung, denn es kommt ja in den USA nicht darauf an, wer die meisten Stimmen erhält, sondern wer das Wahlmännersystem besser für sich ausnutzen kann. 2016 schaffte es Trump, warum nicht wieder 2020.

Heute Abend geht es dann weiter mit der nächsten Folge dieses einzigartigen Trauerspiels, bevor dann morgen der „Commander in Chief“ selbst vor etwas 1000 Besuchern im Außenbereich des Weißen Hauses, darunter auch erklärte Vertreter von QAnon, die Kandidatur offiziell annimmt und zur letzten Etappe ins Horn blasen wird. Doch noch mal zurück zur Emscher, die nicht nur in Dortmund-Mengede fließt, sondern eigentlich quer durchs Ruhrgebiet. Das Flüßchen ist heute wieder sauber, kein Abwasserkanal mehr, sogar Fische schwimmen wieder in der Emscher. Vielleicht ist das ein Hoffnungschimmer, dass auch der tiefste Graben in den USA irgendwie doch überwunden werden kann. Veränderung ist möglich. Zu hoffen ist es.

Was passiert hier gerade?

„Wir können die Wahl nur verlieren, wenn sie manipuliert wird“, das sagte Präsident Donald Trump am Montag auf einer Veranstaltung in Minnesota. Darauf angesprochen, ob das bedeute, dass Trump eine Niederlage nicht akzeptieren würde, meinte seine Pressesprecherin, Kayleigh McEnany: „Der Präsident hat schon immer gesagt, er schaut sich an, was passiert und wird danach entscheiden.“

Solche Aussagen kommen in diesen Zeiten aus dem Weißen Haus. Ich finde das, wie eigentlich viele, beunruhigend, denn damit machen Donald Trump und sein Umfeld deutlich, dass er das Wahlergebnis nur akzeptieren wird, wenn er dabei als Gewinner hervorgeht. Sowas sagt man nicht im Spaß, schon gar nicht als Präsident der Vereinigten Staaten. Damit werden Zweifel am demokratischen Wahlprozess gestreut. Ganz bewußt und mit aller Konsequenz.

Pressekonferenz von Donald Trump.

Doch nicht nur das, vor wenigen Minuten endete die heutige Pressekonferenz von Donald Trump. Er versucht täglich in der Woche des demokratischen Wahlkonvents die Schlagzeilen für sich zu haben. Im Presseraum des Weißen Hauses wurde Trump gefragt, wie er dazu stehe, dass die Verschwörungstheoretiker von QAnon ihn unterstützten? Trump behauptete, er wisse nur wenig über sie, nur das sie Patrioten seien und ihn gut fänden. Die Reporterin bohrte weiter und meinte, dass Qanon „die Welt von einem satanischen Kult von Pädophilen und Kannibalen“ retten wolle, wie er das sehe. Das sei doch nicht schlecht, antworte Trump. „We are saving the world“.

Das ist nicht das erste Mal, dass Donald Trump und sein Umfeld in Verbindung mit dieser hirnrissigen Verschwörungstheorie gebracht werden. Die QAnon Gläubigen sind davon überzeugt, dass es einen Geheimbund von einflußreichen Menschen in Politik, Wirtschaft und Show Business gibt, der weltweit unterirdische Gefängnisse unterhält, in denen Kinder gefoltert und sexuell mißbraucht werden. Trump distanziert sich nicht, sondern erklärt vielmehr, „these are people, that love our country“. Diese Wortwahl erinnert schon sehr an jene „fine people“, wie er die marschierenden Rechtsradikalen und Neonazis in Charlottesville umschrieb. Aus dem Weißen Haus kommen wahrlich seltsame Töne in diesen ver-rückten Zeiten.

Amerika im Wahlkampf

Ach ja, da war ja noch was. Die Demokraten führen noch ihre Vorwahlkämpfe, um zu entscheiden, wer denn nun im November gegen Donald Trump antreten soll. Alles sieht nach Joe Biden aus, aber Bernie Sanders ist nach wie vor im Rennen. Große Veranstaltungen gibt es keine mehr, alles wird online und aus der Sicherheit der eigenen vier Wände geleistet. Joe Biden hat im eigenen Keller ein kleines Sendestudio, aus dem er Fernsehinterviews gibt, von dort wendet er sich an seine Anhänger.

Und die Kameras warten. Foto: Reuters.

Da hat es Donald Trump schon leichter. Er kann zwar derzeit keine seiner beliebten Massenauftritte mehr durchführen, aber Trump hat nun jeden Tag eine Pressekonferenz, die live übertragen wird. Anfänglich waren es noch alle Newskanäle, die den Präsidenten der USA in die Wohnzimmer der Amerikaner brachten. Doch schnell wurden die Stimmen laut, dass Trump diese Pressekonferenzen zur Lage von Corona in den USA als Wahlkampfveranstaltungen nutzt. Jeden Tag stehen mit Trump Unternehmer, Minister, Experten auf der Bühne, die ihn preisen und loben. Ihre vorbereiteten Texte werden vorher vom Weißen Haus abgesegnet. Es sind also keine Überraschungen zu erwarten. Trump sonnt sich in diesem Bad der organisierten Lobhudelei. Mich erinnert das oft an die Auftritte des nordkoreanischen Diktators, der ja alles weiß, richtig macht, erfahren in jeglicher Krise ist, sein Volk sicher durch die schweren Zeiten führt und dafür von Experten, den Armeeangehörigen und dem eigenen Volk bejubelt wird.

Ich weiß, ein böser Vergleich, aber die Pressekonferenzen Trumps sind in diesen Tagen mehr als surreal. Denn wenn ein Reporter kritische Fragen stellt, wie das ja auf Pressekonferenzen auch durchaus sein sollte. Wenn, wie eine Journalistin von PBS, Trump mit seinen eigenen Aussagen aus den letzten Wochen konfrontiert wird, er dann antwortet, das habe er nicht gesagt, dann wundert man sich schon, in welchem schlechten Film man gerade ist.

Sender wie CNN haben sich nun davon zurückgezogen, diese täglichen Auftritte des Präsidenten live zu senden. Gerade auch aus dem Grund, weil er Dinge verdreht, falsch darstellt, ja, offen lügt. Die Pressekonferenzen im „Rose Garden“ sind für Trump Wahlauftritte geworden, so wendet er sich in Zeiten des „social distancing“ an seine Wähler. Und die Einschaltquoten sind hoch. Trump vergleicht seine Auftritte mit „Monday Night Football“ und verkennt mit so einem Vergleich, dass die Nation durch eine noch nie dagewesene Krise geht und eigentlich einen Präsidenten bräuchte, der präsidial auftritt. Der Applaus in den großen Hallen und Stadien fehlt ihm, deshalb müssen nun die Unternehmer im Land den „Commander in Chief“ mit löblichen Worte bejubeln. Trump dominiert derzeit die Airwaves. Biden und Sanders tauchen kaum noch auf. Sie können gar nicht mehr auf das reagieren, was der Präsident da verbreitet. Das ist der Wahlkampf 2020. Ausgang ungewiss.

Kamala Harris ist wieder da

Auf sie ruhte die Hoffnung der Demokraten. Zumindest für ein paar Wochen, denn als die kalifornische Senatorin Kamala Harris im Januar in Oakland ihre Kandidatur ums Weiße Haus verkündete, jubelten ihr fast 20.000 Menschen zu, Nachrichtenkanäle übetrungen live ihre Rede, Dutzende von Medienvertretern waren vor Ort. Doch Harris war nur kurz vorne mit dabei. Vor wenigen Tagen beendete sie ihre Kandidatur und erklärte, sie wollen sich in Zukunft verstärkt um ihre Aufgabe im Senat kümmern.

Er zieht im Hintergrund die Strippen – Stephen Miller. Foto: AFP.

Und genau das tut sie nun. Kamala Harris führt eine Gruppe von demokratischen Senatoren an, die den Rauswurf von Trump Berater Stephen Miller fordert. Schon seit Beginn der Trump Ära fiel Miller durch seine Anti-Immigranten und seine ausländerfeindlichen Äußerungen auf. Vieles von dem, was er forderte und in Trumps Ohren flüsterte, setzte der Präsident schließlich um. Vor etwa einem Monat veröffentlichte der „Southern Poverty Law Center“ rund 900 Emails von Miller, die er im Dunstkreis seiner Arbeit mit der rechten Medienplattform Breitbart geschrieben hatte. Und daraus, so Harris und die mitunterzeichnenden Demokraten, gehe eindeutig hervor, dass Miller „nicht von der Nationalen Sicherheit (angetrieben werde), sondern von weißer Vorherrschaft – etwas, was in unserem Land, der Bundesregierung und schon gar nicht im Weißen Haus einen Platz haben darf“.

Neben Harris hatten 39 Senatoren der Demokraten, darunter fünf weitere Präsidentschaftskandidaten unterschrieben: Elizabeth Warren (D-Mass.), Cory Booker (D-N.J.), Bernie Sanders (I-Vt.), Amy Klobuchar (D-Minn.) und Michael Bennet. Stephen Miller wird nachgesagt, dass er sowohl für den „Muslim Ban“, also das Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern als auch für die Trennung von Familien an der US-mexikanischen Grenze verantwortlich ist. Das Weiße Haus, allen voran Donald Trump hält weiterhin an dem 34jährigen Miller fest. Die durchaus nationalistischen und rassistischen Töne in den veröffentlichten Emails, seine Bewerbung und Unterstützung faschistischer und extremistischer Redner, Politiker und Literatur wurde bislang vom Weißen Haus nur als „Schmierkampagne“ abgetan. Miller bleibt damit wohl einer der einflussreichsten Berater von Präsident Trump und hat an seiner Schaltstelle radikale Forderungen der amerikanischen Rechte gezielt umsetzen können.

Der Fußball wird politisch

Donald Trump will, dass professionelle Sportler die Nationalhymne mitsingen, dabei die rechte Hand aufs Herz legen, nicht knien und auch sonst nicht Aufmucken. Das verlangt er von den Sportlerinnen und Sportlern in den professionellen Ligen der Nation und erst recht, wenn sie im Nationaltrikot auflaufen. Immerhin repräsentieren sie dann die Vereinigten Staaten von Amerika. Den stillen Protest der amerikanischen Fußballerin Megan Rapinoe kann Trump also gar nicht gut finden.

Megan Rapinoe ist nicht nur auf dem Fussballplatz zu hören. Foto: Reuters.

Megan Rapinoe singt die Hymne vor jedem Spiel bei der WM in Frankreich nicht mit. Das verwunder nicht, immerhin war sie die erste weiße Sportlerin, die vor den Matches ihrer Mannschaft und beim Absingen der Hymne in Solidarität mit dem NFL-Spieler Colin Kaepernick und dessen Protest niederkniete. Rapinoe ist offen gay und „outspoken“ und erklärt immer wieder, sie sei ein „wandelnder Protest gegen die Trump Adminstration“. Denn sie stehe für nichts, was Donald Trump vertrete und trage dennoch das US Emblem auf ihrem Trikot. Im Mai erklärte sie in einem Interview, dass sie bei einem Sieg ihres US Teams nicht ins „Fucking White House“ komme werde. Sowieso würde ihr Team nicht eingeladen werden.

Trump sieht das natürlich anders und tweetete heute: „Megan should never disrespect our Country, the White House, or our Flag, especially since so much has been done for her & the team. Be proud of the Flag that you wear. The USA is doing GREAT!“. Und er sprach dennoch eine Einladung für die Frauen Nationalmannschaft aus: „I am now inviting the TEAM, win or lose.“

Klar ist, Megan Rapinoe hat das Recht dazu, ihre Haltung gegenüber dem Präsidenten auszusprechen, seine Politik zu kritisieren und dagegen zu protestieren. Ihr Kniefall, ihr Eintreten für Gay Rights, ihre offene Kritik an Trump und seiner Adminstration sollten vielbeachtet werden. Ich wünschte mir, mehr Sportlerinnen und Sportler würden das tun. Dennoch finde ich, hätte sie besser nicht vom „fucking White House“ gesprochen. 2015, als das US Team Weltmeister wurde, besuchte die Spielerin mit ihrer Mannschat genau dieses White House. Präsident war da Barack Obama. Mit ihrer unüberlegten Wortwahl hat sie nun einen Shitstorm losgetreten und damit genau das Gegenteil erreicht, denn Trump stellt sich nun als gnädiger und gütiger Landesvater dar, der trotz der harschen Worte von Megan Rapinoe die Spielerinnen zu sich ins Weiße Haus einlädt. Die eigentliche Message von Rapinoe geht dabei nun verloren.

Tweety, the president

Was kann man alles an einem Wochenende machen? Ausschlafen, Faulenzen, Sport treiben, wandern gehen. Wenn man eine Familie hat, einen Familienausflug machen, aber man kann auch mal in Ruhe ein Buch lesen und Abschalten. Donald Trump sieht das anders, er hat zwar eine Familie, aber um die scheint er sich nicht zu kümmern. Allwöchentlich zum Wochenende fühlt der amerikanische Präsident ein Jucken in seinen Fingern. Anders kann man sich nicht erklären, dass Trump am vergangenen Wochenende 50 Tweets abgesetzte und sich auch mit dem Beginn der neuen Woche keine Ruhepause gönnt.

OMG…Donald Trump. Foto: Reuters.

Derzeit knallt Trump der amerikanischen Öffentlichkeit seine Tweets um die Ohren, greift alles und jeden an. Von John McCain, der im vergangenen Jahr gestorben ist, über die Medien, die Demokraten, abtrünnige Republikaner bis hin zum Trump Haussender FoxNews. Dort gibt es tatsächlich noch Moderatoren, die nicht kniend und speichelleckend Lobeshymnen auf „Donald the Great“ abgeben. In diesen frickeligen Zeiten ist keiner vor Trump sicher. Seine Anhängerinnen und Anhänger feiern ihn dafür, seine Kritiker schütteln entweder nur noch ungläubig den Kopf oder werfen die Frage auf, ob Trump noch ganz bei Trost sei?

Irgendwas scheint im Trumpschen Weltbild schief zu hängen. Großspurig erklärt er, dass er sein Präsidentengehalt von 400.000 Dollar im Jahr spendet, u.a. dem Ministerium für Heimatschutz. Dafür wird Trump wohl einen Meter Mauer bauen können, der sogenannte Trump-Meter. Übergehen tut er allerdings, dass seine zahlreichen Ausflüge in seine Golf Resorts und die Business Trips seiner Familie dem amerikanischen Steuerzahler schon jetzt nahezu 100 Millionen Dollar gekostet haben. Man erinnere sich noch an die groben Sprüche Trumps, als er Obama vorhielt, zu viel auf dem Golfplatz zu stehen. Aber das ist lange her und Trump umgeht diesen Vorwurf ja immer damit, dass er im „Winter White House“, seinem Golfplatz in Florida, wichtige Gespräche führe. Auch lässt er unter den Tisch fallen, dass seine Golf Resorts nach seinem Wahlsiegt mal kurzerhand die Mitgliedsgebühr verdrei- und vervierfacht haben. Trump macht Geld als Präsident, da kommt es auf die paar Dollar Gehalt nicht an, aber es passt in sein gönnerhaftes Weltbild und das seiner Unterstützer.

Aber zurück zu dem Twitter-Tornado vom Wochenende. Man kann es schon nicht mehr als Sturm bezeichnen, was Trump da los lässt. Er ist sein bester Wahlkämpfer. Für ihn steht fest, er muss einfach wiedergewählt werden. Alles andere wäre Betrug am „großartigsten und erfolgreichsten Präsidenten aller Zeiten“, so Trump über Trump. Man kann sich also darauf einstellen, dass Amerika nach einer Wahlniederlage noch tiefer und weiter gespalten wird und, dass im Falle eines demokratischen Präsidenten oder Präsidentin im Weißen Haus, die USA auf weitere vier Jahre politisch blockiert werden. Amerika tritt von der Weltbühne ab, denn eine Führungsrolle haben die USA im Trump-Zeitalter schon lange nicht mehr inne.

Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt

Waren sich nie so richtig einig, Donald Trump und James Mattis. Foto: Reuters.

Wenn man in diesen Tagen von außen auf das Weiße Haus Haus und Präsident Donald Trump blickt, dann kann man leicht den Eindruck erhalten, dass da so einiges schief läuft. Es wirkt alles etwas chaotisch, ohne Plan. Führende Mitarbeiter gehen oder werden gegangen, zuletzt Verteidigungsminister Jim Mattis, der in seinem Rücktrittsschreiben auch noch deutlich machte, dass er in etlichen außenpolitischen Entscheidungen nicht mit dem Präsidenten überein stimmt.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er die Dinge nicht ganz anders als politische Beobachter, Kommentatoren, Berater und Journalisten sehen würde. Er kündigte ja schon im Wahlkampf an, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, unberechenbar zu sein. Das gepaart mit einem Ego, das die Welt schon sehr lange nicht mehr gesehen hat, macht die Sache nicht einfacher. Für Donald Trump ist die Welt, seine Welt, in Ordnung. Er sieht all das, was er macht als Sieg, als weitere zurückgelegte Meile auf seinem „Make America Great Again“ Umzug. Und wenn es auch offensichtlich ist, dass das, was auch er eigentlich sehen muss kein Erfolg sein kann, dann sagt er einfach, dass es einer ist und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Denn seine Anhänger stehen weiterhin zu ihm. 85 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die 2016 für ihn stimmten, wollen auch 2020 wieder für ihn stimmen.

Trumps Administration gleicht einem unorganisierten Haufen mit einem Präsidenten, der noch nicht einmal seinen engsten Mitarbeitern und Beratern sagt, was er vor hat und machen wird. Jeder von ihnen wird frühmorgens auf Twitter schauen, um zu sehen, was der Boss da wieder in aller Herrgottsfrühe in alle Welt posaunt hat. So wird der Tagesablauf dann festgelegt, zu reagieren auf das, was Trump da in seinen 280 Zeichen vorgibt. Noch nicht mal zwei Jahre ist Trump im Amt und hat die USA massiv verändert, vieles untergraben, vernichtet, zerstört. Man kann zur Halbzeit nur hoffen, dass das Ende der Trumpschen Regierung in Sicht ist und Amerika sich von diesen katastrophalen Jahren schnell erholt. Es ist ein Wunschtraum, aber wünschen darf man es sich ja.

Seufz…es könnte so anders sein

Zwei Fotos, die viel, sehr viel, alles aussagen, was derzeit in Washington nicht so richtig rund läuft. Die Trumps verstecken sich in ihrem güldenen Palast, dem „Winter White House“ in Mar-a-Lago, im Trump Tower oder hinter den geschützten Mauern des Weißen Hauses. Doch es könnte auch ganz anders sein. Reden wir mal nicht über die Politik, sondern einfach mal um das Auftreten, das Charisma, die Ausstrahlung. Und da lagen die Obamas zu Amtszeiten und auch jetzt noch nach dem Ausscheiden aus dem politischen Leben Welten vor den Trumps. Das machen diese Bilder deutlich, die Barack und Michelle Obama im Kinderkrankenhaus von Washington D.C. zeigen. Eine Überraschung für all die Kinder und ihre Eltern, für die Ärzte und das Pflegepersonal.

Fotos: Office of the Obama Foundation.

 

Mr. President, you’re the best!

Ein Buch, ein Leitartikel und schon steht das Weiße Haus in Flammen. Diese Woche lief nicht gut für Donald Trump, bis auf den gestrigen Abend, da ließ sich der Präsident wieder einmal auf einer seiner Jubelveranstaltungen feiern. Tausende huldigten ihm, Trump genoss sichtlich das Bad in der Menschenmenge.

Donald Trump vergisst im Menschenbad die Probleme daheim. Foto: Reuters.

Vergessen waren für eine kurze Zeit die Sorgen, wer im Weißen Haus, in seiner Administration mit Pressevertretern spricht, wer der New York Times erklärte, es gebe eine geheime Widerstandsgruppe im „White House“, die gegen ihn und seine folgenreiche Politik arbeite. Nachdem die ersten Informationen über das Buch von Investigativreporter Bob Woodward bekannt wurden, antwortete Trump mit Vertrauensbekundungen seiner „Generäle“ Mattis und Kelly. Beiden wird in dem Buch nachgesagt, sie hätten deutliche Kritik am Präsidenten geäussert. Beide ließen in dieser Woche verlauten, das stimme nicht. Der angesehene Washington Post Journalist Woodward habe sich die Geschichte selbst zusammen gereimt. Alles Lüge, alles „Fake News“.

Nur einen Tag später veröffentlichte die New York Times einen Beitrag eines anonymen Autors, der angeblich im Weißen Haus arbeitet und das bestätigt, was Woodward in seinem Buch beschreibt – eine Gruppe von Insidern, die gegen Trump arbeitet oder ihn zumindest im Zaum halten will. Der Präsident tobte, sprach von Verrat und Gefährdung der nationalen Sicherheit. Vize-Präsident Mike Pence gab schriftlich eine Erklärung ab, dass er nicht der Autor der Zeilen sei und verlangte auch von anderen in der Administration solch eine Gelübde abzulegen.

Keiner will es also gewesen sein, keiner will mit Bob Woodward gesprochen haben. Und das passt ins Bild dieser Administration und des politischen Washingtons. Wer mit Trump zurecht kommen will, der muss ihm huldigen, ihn preisen, als großen und einzigartigen Präsidenten, der historische Taten leistet, Amerika wieder „great“ macht, Amerika wieder an erster Stelle stellt und den Ruf Amerikas in der Welt erhallen läßt. Selbst einst kritische Senatoren, wie Lindsey Graham, der Trump als „unfit“, also als ungeeignet einstufte, schwärmt und verteidigt nun den Präsidenten. Auch andere, wie Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul loben Trump immer wieder über den Klee, und das, obwohl sie noch vor kurzem schärfste Kritiker des Kandidaten und Präsidenten Trump waren.

Es sieht danach aus, als ob sich so einige in Washington und im Weißen Haus selbst „ihre“ Strategie im Umgang mit Trump zurecht gelegt haben. Augen zu und durch, Trump loben, im Honig ums Maul schmieren und hoffen, dass es am Ende nicht so schlimm sein wird. Das ist naiv, das ist opportunistisch, das ist schlichtweg dumm, denn den Schaden, den die Trump Administration anrichtet, wird über Jahre hinaus zu spüren sein. National und international sind schon jetzt fatale Konsequenzen der Politik zu sehen und zu spüren, die nichts, aber auch rein gar nichts mit „Make America Great Again“ zu tun haben. Man kann nur hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler sich an all jene erinnern, die Trumps Politik mit möglich und mit unterstützt haben.

Die Rechte marschiert wieder

„Unite the Right“ marschiert wieder, diesmal direkt vor dem Weißen Haus.

Vor einem Jahr kam es in Charlottesville zu einem Aufmarsch der alt.right Bewegung. Unter dem Schlachtruf „Unite the Right“ kam die Rechte in den USA zusammen, Online-Aktivisten, Blogger, aber eben auch Neo-Nazi Organisationen, der Ku Klux Klan, bewaffnete Milizen. Es sollte im Trump Jahr Eins ein deutliches Zeichen an politische Gegner, an Andersdenkende, an Juden, an Schwarze, an Immigranten sein. Doch die Veranstaltung endete im Chaos, in offenen Straßenschlachten, damit, dass ein Teilnehmer mit seinem Auto in eine Gruppe von Protestierenden raste, eine Frau tötete und mehrere Personen verletzte.

Ein Jahr später will die Rechte wieder marschieren, doch diesmal unter anderen Vorzeichen. „Unite the Right 2“ soll direkt gegenüber des Weißen Hauses abgehalten werden, da die Organisatoren keine zweite Genehmigung für Charlottesville erhielten. Doch fraglich ist, wie viele Teilnehmer überhaupt nach DC kommen werden, denn der Aufmarsch vor einem Jahr hat nicht zur Stärkung und Einigung der Bewegung geführt, sondern genau das Gegenteil erreicht. Die Rechte in den USA ist tief gespalten, erneut tief gespalten.

Sah es mit dem Wahlkampf und dem Wahlsieg von Donald Trump nach einer breiten Front am rechten Rand aus, hat sich der Auftritt vom August 2017 als Debakel für die Rechtsextremen und -radikalen herausgestellt. Nach Charlottesville wurde deutlich, von einer rechten Einheitsfront kann keine Rede sein. Doch das ist keine Entwarnung. Die Bewegung hat sich gespalten und radikalisiert, aber eben erneut hinter den Kulissen. Die Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Personen und rassistisch motivierte Gewalt haben zugenommen. Doch vor allem die Sprache hat sich, wie in Deutschland auch, extrem verändert. Und dafür steht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der immer wieder offen und unter dem Jubel seiner Anhänger gegen Ausländer, Muslime, politische Gegner hetzt. Die Rechte in den USA hat zwar bislang nicht ihr Ziel einer breiten Bewegung erreicht, aber sie bestimmt weiter, wie auch in Deutschland, die öffentliche Diskussion.