Ein Flammenmeer im Wine Country

Das „Wine Country“ brennt. Foto: AFP.

Es brennt im Wine Country. Gerade kam die Nachricht, dass nun Geyserville, Windsor und auch die Kleinstadt Healdsburg evakuiert werden. Das Kincade Fire ist auf eine Größe von zweimal Fürth angewachsen und kein Ende ist in Sicht. Heute Abend rechnen die Einsatzkräfte mit weiteren kräftigen Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Deshalb wurden nun die weiteren und weitreichenden Evakuierungen angeordnet. Denn klar ist, wenn das Feuer weiter wächst wird der Freeway 101 gesperrt werden, dann wäre eine geordnete Evakuierung schwierig, wenn nicht sogar zu spät.

Bislang sind gerade mal zehn Prozent der Flammen unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Windmühlen, derzeit geht es noch immer nur darum, Menschen und auch Tiere zu retten, schnell zu evakuieren, einige gezielte Gegenbrände zu legen. Todesopfer sind bislang noch nicht zu beklagen.

Und wieder mal deutet viel darauf hin, dass PG&E für das Feuer verantwortlich ist. Kaputtes Equipment an einem Strommast soll Funken geworfen haben, genau dort, wo die ersten Flammen gemeldet wurden. Nun will der Stromlieferant zeitgleich zum Brand in Sonoma County Hundertausenden von Kunden den Strom abschalten. Insgesamt sollen dabei mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Auch bei mir und das nicht nur über Nacht, bis zu 48 Stunden sollen hier ab heute Abend die Lichter aus bleiben. Und damit Computer, Herd, Kühlschrank und so weiter. Nicht gerade rosige Aussichten für jemanden, der von zu Hause arbeitet und gerade an einem 30 Minuten Feature sitzt, das ich nicht mit Kleber und Schere zusammen basteln kann. Da taucht bei mir immer wieder die Frage auf, was ich eigentlich in diesem Dritte-Welt-Land mit seiner katastrophalen Infrastruktur mache. Ich lebe in einer Gegend, die als High Tech Schmiede gilt, von der neue Impulse ausgehen. Und was passiert hier, sie schalten den Strom ab, weil der Wind bläst. Das nicht zum ersten Mal, es ist ein hausgemachtes Problem. Meine Güte, verbuddelt die Kabel endlich und gut ist.

Zum Wohle

„Barrel Tasting Weekend“ im Wine Country, an einem Tag im März muss ich alljährlich dabei sein. Nun war es mal wieder soweit. Und ich kann sagen, da kommt sehr viel guter Wein in die Flaschen.

Etwa eineinhalb Stunden nördlich von Oakland liegt Healdsburg und dahinter das „Dry Creek Valley“. Dorthin zieht es mich meistens, dort findet man hervorragenden Zinfandel. Die Weingegend ist noch nicht so überlaufen wie das weltbekannte Napa Valley. Und doch, die zwei „Barrel Tasting Weekends“  sind meistens Partyzone, auch wenn sich das in letzter Zeit etwas geändert hat. Busse mit zumeist jungen Frauen aus San Francisco reisen an. Nach der vierten, oder fünften „Winery“ heisst es dann nur noch: „Gimme some wine“. „What would you like, we have Cabernet, Merlot, Zinfandel…“. „Just some red“.

Seitdem besuche ich gezielt ein paar wenige Winzer, die meinen Geschmack eigentlich immer treffen und die mich auch ohne Ticketkauf aus ihren Fässern probieren lassen. Dieses Jahr war ich bei Hart’s Desire, Passalacqua, bei Amphora und wie immer bei Hawley. Unglaublich gute Zinfandel kommen da. Ich bin gespannt darauf, wie sich die Weine in den kommenden Monaten noch weiter entwickeln werden. Amphora bietet darüberhinaus viele Weinsorten an, die man normalerweise nicht so oft in dieser Gegend findet. Ein Geschmackserlebnis sondergleichen. Für Kalifornien Reisende kann ich diese vier Weingüter nur wärmstens empfehlen, es lohnt sich wahrlich den kalifornischen „Wine Taste“in den „Tasting Rooms“ zu erkunden. Aber, es ist nicht billig, gerade, wenn man die Preise mit Wein aus Deutschland, Italien, Frankreich oder Spanien vergleicht.

Die schöne Seite Amerikas

Am Freitag war ich zu einer Podiumsdiskussion über die Situation von Korrespondenten im Trump-Zeitalter eingeladen. Es war eine interessante Debatte, in der wir über das veränderte Klima in Washington und in den USA sprachen. Für mich hat sich da eigentlich nicht so viel geändert, denn seit meinen Anfängen als USA Korrespondent habe ich versucht, meine eigene kleine Nische zu finden. Ich habe weder Kontakte in Washington DC noch einen Zugang zum Silicon Valley gleich hier vor meiner Haustür. Von daher hatte ich unter George W. Bush keine Krise, unter Barack Obama keine Hoffnung und nun unter Donald Trump keine Kopfschmerzen. Alles bleibt beim Alten.

Was ich am Freitag allerdings betonte war, dass sich die Einstellung bei vielen Redaktionen in Deutschland geändert hat. Es geht meist nur noch um Trump, Sende- und Artikelplätze werden fast ausschließlich nur noch mit Nachrichten von und über den 45. Präsidenten gefüllt. Positive USA Berichterstattung, Beiträge über Kultur, Entwicklungen, Szenen, das Leben in den USA kommt kaum noch vor. Und ja, ich ertappe mich auch selbst dabei, wie ich nach jedem allmorgendlichen Twitter-Gewitter von „DT“ Themen anbiete oder einen Blogbeitrag schreibe.

Ein Ort zum Verweilen in Mendocino County.

Auf dem Rückflug von München nach San Franciso sass ich neben einem jungen Paar, die mich siezten und meinten, sie werden nun in zehn Tagen Kalifornien abfahren. Alles im Schnelldurchlauf: San Francisco, Highway 1, Santa Barbara, Los Angeles, dann rüber nach Las Vegas, von dort noch einen Abstecher zum Yosemite Nationalpark, bevor es von San Francisco wieder losgeht. Ich meinte nur, das wird stressig, man sollte sich aber auch mal Zeit für den Norden Kaliforniens nehmen. Allein das „Wine Country“ von Sonoma- und Napa Valley und die Küstenregion sind wunderschön, entspannend und sehr empfehlenswert.

Erst gestern war ich auf einer kleinen alljährlichen Feier auf einem Weingut in der Nähe von Hopland, Mendocino County. Ein traumhafter Ort, ein wunderbares Event und dazu die sehr bekömmlichen Tropfen von Topel, einem meiner Lieblingswinzer der Region. Es war leider eine Art „Goodbye Party“, ein Kapitel geht zu Ende, gefeiert wurde dennoch. Und zum Schluss nach einigen Danksagungen, Tränen und viel Beifall die Worte von Donnis Topel: „Let’s celebrate. Go Warriors. And Fuck Trump“. Auch das ist (mein) Kalifornien.

Trump und sein Weltrekord

Donald Trump scheint sehr beliebt zu sein, wenn man sich nur die Zahlen ansieht. Auf Facebook folgen ihm über 24 Millionen Menschen, auf seiner Lieblingsplattform Twitter sind es sogar weit über 40 Millionen „Followers“. Das ist Weltrekord, niemand sonst hat so eine große „Fangemeinde“. Vielleicht retweetet nun Donald Trump alleine durch diese Wortpaarung meinen Beitrag: Donald Trump – Weltrekord! weiter lesen

Weinkönig sein

Hardy Wallace hat es geschafft. Er hat wohl zumindest für sechs Monate einen Traumjob an Land gezogen und darf nun im Herzen des kalifornischen Wine Countries leben, lachen, es sich gut gehen lassen, doch vor allem Wein trinken.

Das ganze war nach dem Vorbild der australischen Kampagne „Traumjob Great Barrier Reef“ aufgemacht. Das Murphy-Goode Weingut in Healdsburg, rund eine Autostunde nördlich von San Francisco, suchte unter dem Slogan „A Really Goode Job“ jemanden, der als „Lifestyle Korrespondent“ über das Leben im Wine Country und den Wein der Jackson Familie, zum dem Murphy-Goode gehört, berichtet. Mehr als 2000 Frauen und Männer aus dem ganzen Land bewarben sich per You Tube Video. Nun wurde der Gewinner genannt.

10.000 Dollar pro Monat und ein viktorianisches Haus mit zwei Schlafzimmern warten nun auf Hardy Wallace aus Atlanta, dem Anfang des Jahres sein Job bei Kodak gekündigt wurde und der die Winzer in Sonoma County mit seinem Wein Blog „Dirty South Wine“ beeindruckte. Dienstbeginn ist der 15. August und Weingenuss am Arbeitsplatz ist durchaus erwünscht.

Hier noch das Bewerbungsvideo von Hardy Wallace für „A Really Goode Job““

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