Haben Sie Angst vor einer zweiten Welle?

Schritt für Schritt kehren wir ins normale Leben zurück. Noch immer herrscht Maskenpflicht und gilt das Abstandsgebot. Aber: Menschen flanieren durch Fußgängerzonen, sitzen im Café, Schwitzen im Fitnessstudio, fahren in den Urlaub. Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland, abgesehen von der Lage in Teilen Nordrhein-Westfalens, lässt Lockerungen zu. Doch kommt der ein oder andere auch ins Grübeln. Sind wir zu forsch? Kommen wir uns schon wieder viel zu nahe? Wird aus den lokal begrenzten neuen Ausbrüchen doch wieder eine größere Welle, die im Herbst anrollt?

Im Moment sind Virologen (Foto: Oliver Berg/dpa) verhalten optimistisch, dass Deutschland von einer zweiten Welle verschont bleibt. Sicherheit können sie freilich nicht garantieren und mahnen weiterhin zur Vernunft. Das tut auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Erst am Wochenende hat er sich in einer Videobotschaft an die Bevölkerung gewandt. „Wir müssen wirklich weiter aufpassen. Die aktuellen Ausbrüche sind eine Warnung. Distanz, Hygiene und Masken bleiben wichtige Vorsichtsmaßnahmen. Und bei neuen Ausbrüchen ist schnelles Handeln entscheidend.“.gs

Haben Sie Angst vor einer zweiten Welle?

365-Euro-Ticket: Ein Grund zum Umsteigen?

Der Nürnberger Stadtrat hat in der vergangenen Woche den Weg für ein 365-Euro-Ticket frei gemacht. Die Initiative ging von den Linken aus. Es soll zum 1. Januar 2023 eingeführt werden. Allerdings sind noch viele Fragen nicht geklärt, denn allein für Nürnberg müssten pro Jahr Einnahmeausfälle von 30 Millionen aufgefangen werden. Angesichts des angespannten städtischen Haushalts müssten wohl Bund und Land einspringen. Ungeklärt ist auch, wer im VGN-Bereich alles mitmacht, denn nicht überall ist das Netz so dicht geknüpft wie in Nürnberg. Ein Auseinanderbrechen des VGN wäre aber ein Rückschritt im ÖPNV.

Auf der anderen Seite macht es ein 365-Euro-Ticket leichter, vom Auto auf umweltfreundliche Busse und Bahnen umzusteigen. Ob allein der günstige Tarif genügt, Pendler dazu zu bringen, das Auto stehen zu lassen, wird sich zeigen. In aller Regel steigen Pendler um, wenn es kurze Takte gibt und lange Strecken ohne Umsteigen zur Verfügung stehen. Es muss also die Infrastruktur im Öffentlichen Personennahverkehr stimmen, wenn die Verkehrswende neuen Schwung erhalten soll.

André Fischer

365-Euro-Ticket: Ein Grund zum Umsteigen?

Corona: Würden Sie sich impfen lassen?

Wissenschaftlerweltweit forschen derzeit an einem Impfstoff gegen Corona. Gefunden haben sie ihn noch nicht. Wenn es aber soweit ist, dann könnte man sich mit einem kleinen Piks vor der Krankheit schützen, die gerade die ganze Welt in Atem hält (Foto: Martin Schutt/zb/dpa). Wer sich impfen lässt, der könnte ohne Angst vor einer Ansteckung wieder so leben, wie wir es alle vor Ausbruch der Pandemie gewohnt waren. Besonders Risikogruppen, also Menschen, die ein wenig älter sind oder eine Vorerkrankung haben, könnten endlich aufatmen. Nicht nur, weil sie sich durch die Impfung selbst schützen würden, sondern auch, weil eine Durchimpfung der Gesellschaft zu einer Herdenimmunität führen würde, von der auch die Personen profitieren, die die Verabreichung eines Impfstoffes ablehnen oder die nicht geimpft werden können. Nur: Schon jetzt – also zu einer Zeit, zu der noch gar kein Impfstoff existiert – gehen bereits Menschen auf die Straße, die Impfungen kritisch gegenüber stehen. Einige von ihnen befürchten, dass man beim Impfen einen Chip unter die Haut gepflanzt bekommen soll. Die meisten Impfkritiker aber argumentieren nicht mit Verschwörungstheorien. Sie wollen nur erreichen, dass jeder selbst darüber entscheiden darf, ob er sich impfen lässt oder nicht. Auch eine vergleichsweise harmlose Impfung könnte doch zu schlimmen Nebenwirkungen führen. Aus diesem Grund lehnen sie die Maßnahme für sich selbst – sollte nun ein Impfstoff gefunden werden – zunächst ab.

Julia Vogl

 

Corona: Würden Sie sich impfen lassen?

Planen Sie heuer Urlaub im Ausland?

Die Länder unserer Sehnsucht waren in den vergangenen Monaten Corona-bedingt in unerreichbare Ferne gerückt. Die Deutschen, die so gerne verreisen (Foto: Günter Distler), wurden ihrer Leidenschaft beraubt. Nun aber kommt der Sommer und mit ihr die Urlaubszeit – und da öffnen sich rechtzeitig wieder viele europäische Landesgrenzen. Touristen, oft wenig geliebt, wenn sie in Übermassen auftauchen, sind wieder gern gesehen. Vor allem natürlich aus wirtschaftlichen Gründen. Ganz ohne sie geht es auch nicht. Ferienträume könnten also doch noch wahr werden: am Strand in der Sonne liegen, durch Roms Gassen schlendern, die Gipfel der Dolomiten erklimmen. Doch wollen wir das wirklich? Kommt echte Urlaubsstimmung auf, wenn immer noch Abstandsgebote gelten und Hygienevorschriften – hoffentlich – streng eingehalten werden? Ist Urlaub daheim nicht vielleicht doch attraktiver, in vertrauter Umgebung, mit dem Hausarzt in nicht allzu weiter Distanz?

Gabi Eisenack

Planen Sie heuer Urlaub im Ausland?

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

Coronabedingt sind bayernweit alle Schulen in den drei Wochen vor den Osterferien geschlossen geblieben. Eine Woche nach den Ferien durften zumindest die Schüler zurück in den Präsenzunterricht zurückkehren, die heuer ihren Abschluss schreiben. Nach und nach drücken auch weitere Jahrgangsstufen wieder die Schulbank – allerdings doch sehr eingeschränkt (Foto: Hans-Joachim Winckler)

Für die Eltern bedeutet das viel Arbeit. Gerade kleinere Kinder müssen beim Homeschooling gut betreut werden. Nicht in allen Familien war das in den vergangenen Wochen einfach so in den gewohnten Alltag zu integrieren. Eltern mussten Urlaub nehmen und ihren Kindern helfen – wenn sie es denn konnten. In manchen Familien war die Beschulung daheim gar nicht oder nur bedingt möglich, weil Eltern – aus welchen Gründen auch immer – schlichtweg nicht helfen konnten.

Entstanden sind ungleiche Bildungschancen. Und Eltern, die nun vor einem Betreuungsproblem während der anstehenden Sommerferien stehen.
Wie aber soll man diese Probleme lösen? Ein Vorschlag wäre es, die Ferien im August und September einfach zu verkürzen. Die Kinder wären in den Schulen gut betreut und könnten Wissenslücken, die durch den Schulausfall während der Corona-Pandemie entstanden sind, wieder aufholen. Die Eltern könnten sich verstärkt auf ihren Beruf konzentrieren. Und auch diejenigen, die noch genug Urlaub haben, dürften wohl nicht allzu arg unter verkürzten Ferien ächzen – scheinen ausgedehnte Fernreisen in diesem Sommer schließlich eher weniger wahrscheinlich.

Oder sollte man doch auch an die Lehrer denken, die ihren Unterricht unter großem Stress auf digitales Lernen umgestellt haben und gerade jetzt die sechs Wochen Pause im Sommer verdient haben? Vielleicht brauchen auch die Schüler die lange Auszeit im Sommer, um sich endlich einmal vom Leistungsdruck zu erholen? Klar ist: Ministerpräsident Markus Söder hat bereits klargestellt, dass in Bayern an den Sommerferien nicht gerüttelt wird – aber wäre das nicht vielleicht doch ganz gut?

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

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Corona: Gehen die Lockerungen zu weit?

Die Corona-Krise hat das Leben in vielen Bereichen verändert oder ganz lahmgelegt. Was immer selbstverständlich war, ist plötzlich nicht mehr möglich. Dass viele Einschränkungen nötig waren, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, stieß in der Bevölkerung auf große Zustimmung, die allermeisten Menschen hielten sich an die Vorgaben der Politik. Und halfen mit, das Tempo der Ausbreitung zu drosseln.

Nun werden ab Montag die strengen Regeln gelockert. Alle Geschäfte dürfen wieder öffnen (Foto: Hans-Joachim Winckler), was gut für die Wirtschaft ist. Schrittweise kann demnächst auch die Gastronomie ihren Betrieb wieder aufnehmen und immer mehr Schüler kehren in die Schulen zurück – das alles sollte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen geschehen, von Normalität kann also keine Rede sein.

Während sich viele Menschen freuen, dass sie in ihrer Freiheit nicht mehr so stark eingeschränkt sind, machen sie die anderen Sorgen: Wie wird sich die Zahl der Infizierten entwickeln? Wird sie wieder steigen, wenn aufgrund der Lockerungen die Menschen die Situation nicht mehr ernst nehmen?

Gabi Eisenack

Corona: Gehen die Lockerungen zu weit?

„Gute Idee: Norisring ohne Publikum?“

Mitte Juli wird in Nürnberg gerast. Normalerweise zumindest. Dann findet nämlich das traditionsreiche Norisringrennen statt. Schöller-S, Grundig-Kehre – seit über 70 Jahren schon brausen hier die Rennfahrer über die Strecke und werden dabei von bis zu 150.000 Fans bejubelt.

Heuer aber ist alles anders: Großveranstaltungen sind bis Ende August gestrichen. Die Veranstalter des Norisring-Rennens aber wollen sich die Veranstaltung, in die sie so viel Herzblut gesteckt haben, nicht so einfach streichen lassen. Freilich: Ein Rennen mit Tausenden von Fans an der Strecke wird es heuer nicht geben können. Ein Geisterrennen ähnlich den diskutierten Geisterspielen der Fußball–Bundesliga aber vielleicht schon. Die Verantwortlichen des Rennens haben bei der Stadt bereits eine entsprechende Anfrage gestellt.

Für den MotorsportClub Nürnberg (MCN) hängt viel an dem Rennen. Sollte die Veranstaltung nicht stattfinden, bliebe der MCN auf seinen jährlich anfallenden Unterhaltskosten für die Lagerung des Streckenmaterials von etwa 140.000 Euro sitzen. Die Norisring GmbH wäre bei einer Streichung aus dem Kalender pleite. Eine TV-Übertragung in 140 Länder aber könnte in einer Zeit, in der Sportveranstaltungen eigentlich ausfallen, durchaus Geld in die Kasse spülen und dabei helfen, das Traditionsrennen zu erhalten.

Nur: Die Idee kommt nicht überall gut an. Manche empfinden sie sogar als Provokation. Es könne schließlich nicht sein, dass Kinder nicht auf Spielplätze dürfen, Senioren in Heimen vereinsamen, das Rennen aber stattfinden solle. Die Diskussion über ein Geisterrennen wird aber nicht nur vor dem Hintergrund der Corona-Krise geführt. Es ergreifen auch diejenigen das Wort, die die Veranstaltung schon aus Klimaschutz-Überlegungen nicht gutheißen. „Für mich ist es eine Katastrophe, wenn jedes Jahr wieder die Nürnberger Bevölkerung unter dem monotonen Brumm-Brumm des Autokorsos stöhnt und die Stadt Nürnberg durch das Zur-Verfügung-Stellen des Areals der konventionellen Automobilwirtschaft und all den Klimawandelignoranten ein Forum bietet“, sagt etwa Ludwig Hager, der Vorsitzende der ÖDP-Nürnberg. Die ÖDP denke daher über ein Bürgerbegehren zur Abschaffung des Rennens nach.jule

„Gute Idee: Norisring ohne Publikum?“

 

Finden Sie Söders Sonderweg richtig?

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, gelten in Bayern seit Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen – strengere, als im Rest von Deutschland (Foto:dpa).

Während in anderen Bundesländern etwa ein Treffen mit einer Kontaktperson, die außerhalb des eigenen Haushalts lebt, erlaubt war, ist dies in Bayern erst seit heute möglich. Ebenso strenger geregelt: Die Frage, ob Bau- und Gartenmärkte geöffnet sein dürfen. Während in Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen eingekauft werden konnte, mussten sich die Bayern in Geduld üben.

In einer Woche sollen im Freistaat die Schüler, die heuer ihren Abschluss machen, wieder die Schulbank drücken. Ab dem 11. Mai sollen dann Anschlussklassen folgen, also Viertklässler, die im kommenden Jahr die Schule wechseln. In anderen Bundesländern läuft der Schulbetrieb schneller an. In Berlin etwa wird der Unterricht bereits ab dem 4. Mai wieder aufgenommen.

Klar ist schon jetzt: Bayern geht mit härteren Regeln gegen die Virus-Ausbreitung vor, als dies andere Bundesländer tun. Und klar ist auch: Die Regeln werden langsamer gelockert. Das hat Markus Söder  in der vergangenen Woche angekündigt. Nur: Was halten Sie davon?
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Finden Sie Söders Sonderweg richtig?“

Julia Vogl

 

 

Finden Sie Söders Sonderweg richtig?

Sind die Verbote wegen Corona überzogen?

Die Maßnahmen gegen Corona greifen tief in die Persönlichkeitsrechte der Bürger ein. Menschen müssen ihre Geschäfte schließen und dürfen ihre Freunde nicht mehr sehen – und das, obwohl der medizinische Nutzen solcher gravierender Maßnahmen zu hinterfragen ist. Freunde könnten auch mit Sicherheitsabstand gemeinsam spazieren gehen (Foto: Michael Matejka), Geschäftsinhaber könnten über Zutrittsbeschränkungen eben jene geforderte räumliche Distanz zwischen ihren Kunden sicherstellen.

Auf der anderen Seite kann man freilich argumentieren, dass in anderen Ländern, in denen Menschen sich nur noch 100 Meter von ihrer Wohnung entfernen dürfen, die Maßnahmen noch viel strenger sind. Zudem geht es um das hohe Gut Gesundheit.Um Zustände wie in Italien zu vermeiden, müsse die Bevölkerung für eine gewisse Zeit Opfer bringen, sagen die Befürworter der Regeln. Glaubt man den Umfragen, stützen die Leute den Kurs.

Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Corona: Verbote überzogen?“ M.P.

Sind die Verbote wegen Corona überzogen?

Sind Sie für eine Mundschutzpflicht?

Sollten wir alle Maske tragen? Die Stimmung dreht sich, je weiter die Coronavirus-Pandemie um sich greift. Immer mehr Menschen können sich anfreunden mit dem früher nur aus Asien bekannten Bild (Foto: dpa), mit verhüllter Mund-Nasen-Partie unter Leute zu gehen. Auch in Nürnberg wird der Anblick von Passanten mit einem Schal-, Arzt- oder Baumarktmundschutz vertrauter. Privatleute und soziale Initiativen nähen gerade wie die Weltmeister Jedermann-Masken aus Stoff, damit sich die Knappheit in medizinisch-pflegerischen Einrichtungen nicht noch verstärkt.
Die deutsche Politik zeigt sich hier noch zurückhaltend, während Österreich bereits eine Tragepflicht für Supermarktbesuche eingeführt hat. Was feststeht: Es ist eine Geste der Höflichkeit, in Zeiten dieser Epidemie die Mitmenschen möglichst wenig mit der eigenen Atemluft zu behelligen. Ein Mundschutz besagt: Ich habe verstanden, jeder, auch ohne Symptome, kann diese Krankheit potenziell übertragen.
Muss es deshalb aber gleich ein Gebot geben? Wissenschaftlich ist das mit dem Mundschutz nämlich gar nicht so einfach, das sieht man am Schlingerkurs des Robert-Koch-Instituts in dieser Frage. Ein Mund-Nasen-Schutz kann die allgemeine Verbreitung eines Virus nicht nachweislich eindämmen; dazu ist eine Reihe anderer, gewichtigerer Maßnahmen nötig. Im Einzelfall kann er das Risiko, ein Gegenüber anzustecken, wohl verringern, doch auch hierzu fehlen belastbare Daten.

Isabel Lauer

Sind Sie für eine Mundschutzpflicht?