Sind die Verbote wegen Corona überzogen?

Die Maßnahmen gegen Corona greifen tief in die Persönlichkeitsrechte der Bürger ein. Menschen müssen ihre Geschäfte schließen und dürfen ihre Freunde nicht mehr sehen – und das, obwohl der medizinische Nutzen solcher gravierender Maßnahmen zu hinterfragen ist. Freunde könnten auch mit Sicherheitsabstand gemeinsam spazieren gehen (Foto: Michael Matejka), Geschäftsinhaber könnten über Zutrittsbeschränkungen eben jene geforderte räumliche Distanz zwischen ihren Kunden sicherstellen.

Auf der anderen Seite kann man freilich argumentieren, dass in anderen Ländern, in denen Menschen sich nur noch 100 Meter von ihrer Wohnung entfernen dürfen, die Maßnahmen noch viel strenger sind. Zudem geht es um das hohe Gut Gesundheit.Um Zustände wie in Italien zu vermeiden, müsse die Bevölkerung für eine gewisse Zeit Opfer bringen, sagen die Befürworter der Regeln. Glaubt man den Umfragen, stützen die Leute den Kurs.

Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Corona: Verbote überzogen?“ M.P.

Sind die Verbote wegen Corona überzogen?

Sind Sie für eine Mundschutzpflicht?

Sollten wir alle Maske tragen? Die Stimmung dreht sich, je weiter die Coronavirus-Pandemie um sich greift. Immer mehr Menschen können sich anfreunden mit dem früher nur aus Asien bekannten Bild (Foto: dpa), mit verhüllter Mund-Nasen-Partie unter Leute zu gehen. Auch in Nürnberg wird der Anblick von Passanten mit einem Schal-, Arzt- oder Baumarktmundschutz vertrauter. Privatleute und soziale Initiativen nähen gerade wie die Weltmeister Jedermann-Masken aus Stoff, damit sich die Knappheit in medizinisch-pflegerischen Einrichtungen nicht noch verstärkt.
Die deutsche Politik zeigt sich hier noch zurückhaltend, während Österreich bereits eine Tragepflicht für Supermarktbesuche eingeführt hat. Was feststeht: Es ist eine Geste der Höflichkeit, in Zeiten dieser Epidemie die Mitmenschen möglichst wenig mit der eigenen Atemluft zu behelligen. Ein Mundschutz besagt: Ich habe verstanden, jeder, auch ohne Symptome, kann diese Krankheit potenziell übertragen.
Muss es deshalb aber gleich ein Gebot geben? Wissenschaftlich ist das mit dem Mundschutz nämlich gar nicht so einfach, das sieht man am Schlingerkurs des Robert-Koch-Instituts in dieser Frage. Ein Mund-Nasen-Schutz kann die allgemeine Verbreitung eines Virus nicht nachweislich eindämmen; dazu ist eine Reihe anderer, gewichtigerer Maßnahmen nötig. Im Einzelfall kann er das Risiko, ein Gegenüber anzustecken, wohl verringern, doch auch hierzu fehlen belastbare Daten.

Isabel Lauer

Sind Sie für eine Mundschutzpflicht?

Stichwahl: Haben Sie sich entschieden

Auch wenn um uns herum das Leben fast zum Erliegen kommt: Die Stichwahl am Sonntag findet statt – für alle per Brief (Foto: Günter Distler). Das Ergebnis für die Anwärter von CSU und SPD auf den Posten des Nürnberger Oberbürgermeisters fiel relativ knapp aus: Marcus König von der CSU erreichte 36,45 Prozent der Stimmen, Thorsten Brehm (SPD) 34,93 Prozent. Nun gilt es, noch einmal ein Kreuzchen zu machen. Wer einen der beiden schon im ersten Durchgang gewählt hat, für den ist es sicher keine Frage, für wen er sich diesmal entscheidet. Aber was machen zum Beispiel die 15,09 Prozent der Nürnberger, die für Verena Osgyan von den Grünen gestimmt hatten? Was machen die Unentschlossenen? Es bleibt spannend.

Gabi Eisenack

Stichwahl: Haben Sie sich entschieden?

Coronavirus: Ist die Vorsicht übertrieben?

Zu den vielen Fragen, die das Coronavirus Covid-19 zum Gesprächsthema Nummer eins dieser Tage machen, zählt auch diese: Tickt die Menschheit eigentlich noch richtig mit ihren immer weiter reichenden Schutzmaßnahmen vor der Ausbreitung eines zwar schnell reisenden, aber statistisch nicht maßgeblich tödlichen Atemwegsinfekts?
Auf die Abschottung Chinas folgten Einreiseverbote vieler Länder gegen etliche Nationen, darauf die Abschottung Italiens und nun auch in Deutschland das Ringen ums richtige Maß an Quarantäne. Manche Schüler werden plötzlich ausgesperrt, Lehrer dagegen nicht, mal mit Virustest, mal ohne. Arbeitgeber schicken gesunde Mitarbeiter nach Hause, welche wiederum vorsichtshalber noch schnell eine Extraration Klopapier und Nudeln mit Sagrotan einkaufen (Foto: dpa).
Es ist wahrscheinlich unvermeidlich, dass es in der sich täglich ändernden Lage zu inkonsequenten Entscheidungen kommt. Der deutsche Föderalismus, aber auch die unterschiedlich beflissenen Handlungen ängstlicher Firmenleitungen und Veranstalter, verhindern Systematik. Einleuchtend ist freilich die Devise der Behörden, zum Schutz der wenigen Schwerkranken die Infektionszahlen einzudämmen.

Isabel Lauer

Coronavirus: Ist die Vorsicht übertrieben?

Werden Sie Ulrich Maly vermissen?

Übernächsten Sonntag mischen die Wähler in Bayern die Karten neu. Die Kommunalwahl bedeutet für Nürnberg in jedem Fall einen epochalen Einschnitt. 18 Jahre am Stück regierte der Sozialdemokrat Ulrich Maly (Foto: Roland Fengler) im Rathaus – jetzt zieht er sich überraschend früh aus der Politik zurück. Das Nürnberg seiner Amtszeit ist sozusagen volljährig und muss ohne ihn zurechtkommen.
Bei dieser Oberbürgermeisterwahl gibt es durchaus realistische Aussichten darauf, dass die SPD-Traditionsstadt nach so langer Zeit die Farbe wechselt. Sollte die SPD Einbußen erleiden, dann wäre das aber wohl in Nürnberg nicht als Unzufriedenheits-Quittung des Wählers zu verstehen, sondern als seine Neuorientierung. Denn Ulrich Maly kann auf eine skandalfreie Regierungszeit zurückblicken, auf ungebrochen hohe Zustimmung und Beliebtheit. Dem politischen Gegner bot er wenig Angriffspunkte, zumal er in pragmatischer Kollegialität mit ihm zusammenarbeitete. Das stand für langfristiges Denken und brachte viele Projekte in der Stadt voran. Mit seiner Auffassungsgabe, seinem Redetalent und Witz konnte Maly immer auch in der für Bürgermeister so entscheidenden Kategorie „Volksnähe“ punkten.
Aber genug des Lobs – Maly selbst kokettiert gern damit, dass er auch deshalb abtrete, weil jetzt jemand Jüngeres, Digitaleres, Unbefangeneres ans Ruder müsse. Daraus spricht die Angst um das Selbstbild – irgendwann nur noch als „der Alte“ wahrgenommen zu werden. Also: Zeit für neue Themen und Köpfe?
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche wissen: „Werden Sie Ulrich Maly vermissen?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter www.nordbayern.de/senf über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir gefragt: „Rauchverbot in der Öffentlichkeit?“ Teilgenommen haben 227 Leser. Mit Ja antworteten 54,2 Prozent, mit Nein 45,8 Prozent.Isabel Lauer

Werden Sie Ulrich Maly vermissen?

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Coronavirus: Haben Sie Angst?

Kaum ein Thema spaltet die Menschen derzeit so sehr wie das Coronavirus. Während die einen sich Sorgen machen und peinlich genau darauf achten, sich nur nicht mit irgendetwas anzustecken, machen sich die anderen überhaupt keine Gedanken wegen einer möglichen Ansteckung.

Fakt ist: Seit dem Bekanntwerden der ersten Fälle im Dezember vergangenen Jahres haben sich in China (Foto: dpa) mittlerweile mehr als 37.000 Menschen mit dem Virus angesteckt. 813 Menschen sind – stand Sonntag – weltweit am Coronavirus gestorben.

Am Nürnberger Flughafen machen sich Mitarbeiter bereits Sorgen. In einem Brief an die Presse beklagen einige, dass sie sich alleingelassen fühlen. Denn: Obwohl Reisende ihnen tagtäglich ins Gesicht husten, dürfen sie keine Atemschutzmasken tragen. Auch besondere Reinigungsvorgänge oder Desinfektionsmaßnahmen gibt es derzeit nicht, heißt es in dem Schreiben.

Ist die Panik übertrieben? Gesundheitsexperten sehen das so. Das Robert-Koch-Institut etwa sieht „keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert“. Dr. Alice Schaffer, Leiterin der Abteilung Infektionsschutz am städtischen Gesundheitsamt, verweist ebenfalls auf die Einschätzung der Lage durch das Robert-Koch-Institut: „Im Moment wird die Möglichkeit einer Gefährdung in Deutschland als gering eingeschätzt.“ Weil das Informationsbedürfnis zum Coronavirus so hoch ist, hat das Gesundheitsamt bereits eine Hotline eingerichtet (0911/23110666). Auf der Internetseite des Amts wird empfohlen, ganz besonders in Regionen mit Erkrankungsfällen eine gute Händehygiene, die Husten- und Nies-Etikette sowie ein Abstand zu Erkrankten einzuhalten. „Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten“, so die Experten.

Julia Vogl

Coronavirus: Haben Sie Angst?

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Soll Kleingeld abgeschafft werden?

Tonnenschwer fühlt sich bisweilen die Geldbörse an, dabei befinden sich keineswegs Reichtümer darin. Es sind die Ein- und Zwei-Cent-Münzen, die sich zuhauf darin breit machen und für Gewicht sorgen (Foto: fabersam/pixabay). Aber: Wer will sie wirklich haben? Kein Parkautomat nimmt sie an. Aber Geld ist doch Geld, oder nicht? Ob Münze oder Schein.
Dieser Tage hat die EU-Kommission die Diskussion entfacht, ob es nicht sinnvoll wäre, die Mini-Münzen abzuschaffen. In Ländern wie Belgien oder den Niederlanden lässt man schon längst alle Fünfe gerade sein. Das heißt: Man rundet auf oder ab. Auch weisen Experten darauf hin, dass die Herstellungskosten der Ein- und Zwei-Cent-Münzen höher sind als der Wert des Klimpergeldes an sich. Statt 1.99 Euro zahlt man dann eben zwei Euro. Auch Abrunden ist freilich möglich.
Kritiker der Kleingeldabschaffungs-Idee befürchten allerdings damit einen Anfang vom Ende des Bargelds.

Gabi Eisenack


Soll Kleingeld abgeschafft werden?

Sollen Kracher an Silvester verboten werden?

Wenn das neue Jahr beginnt, dann standesgemäß mit ordentlich Krach. Schon aus Tradition werden pünktlich um Mitternacht an Silvester Böller, Raketen und Kracher in die Luft geschossen (Foto: Eduard Weigert). Glück soll das bringen – oder auch einfach nur ein paar Minuten Spaß, wenn man die schönen Lichteffekte am Himmel bewundern kann.
Während die einen sich ihr geliebtes Silvester-Feuerwerk nicht nehmen lassen wollen, wird aber die Kritik an dem feurigen Jahresbeginn immer lauter. Tierhalter wettern schon seit Jahren dagegen: Wauzi und Maunzi erschrecken sich schließlich immer ganz fürchterlich. Aber auch Umweltschützern ist die Tradition ein Dorn im Auge. Nicht nur wegen der schlechten Luft, die in den Stunden danach herrscht, sondern auch wegen der 15 bis 20 Tonnen Müll, die danach auf den Straßen liegen – allein in Nürnberg. Nicht zuletzt gibt es natürlich auch Menschen, die sich vor Krachern fürchten und zum Jahreswechsel sicherheitshalber lieber drinnen eine Wunderkerze anzünden – um sie dann ganz weit vom Körper weg in die Luft zu halten.
Keine Frage, das Feuerwerk zu Silvester kommt immer mehr in die Kritik – immer mehr Menschen fordern deshalb, es am besten komplett zu verbieten.

Julia Vogl


Sollen Kracher an Silvester verboten werden?

Second-Hand-Geschenke: Würden Sie sich darüber freuen?

Skandinavien ist uns oft einen Schritt voraus, wenn es um Umweltschutz geht. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg ist Schwedin, aus Schweden kommt das Gefühl der „Flugscham“, und in Norwegen ist es nun Trend, sich gebrauchte oder recycelte Dinge zu schenken. Für die Herstellung neuer Waren, so erklären es auch deutsche Naturschützer, werden große Mengen an Rohstoffen und Energie verbraucht. Warum also nicht etwas unter den Christbaum legen, was noch schön ist? Bücher, DVDs, Elektrogeräte, qualitativ hochwertiges Spielzeug, Schmuck, wieder moderne, guterhaltene Kleidung und Vintage-Handtaschen eignen sich hervorragend als Secondhand-Weihnachtsgeschenk, erklären Umweltschützer.

Doch so schön der Gedanke ist, Dinge möglichst lange zu verwenden, so unpassend erscheint er manch Beschenktem gerade zu Weihnachten. Wirkt Secondhand-Ware doch manchmal billig oder zumindest günstiger als Neuware. Da könnte der Eindruck erweckt werden, die Wertschätzung sei nicht besonders groß. Dazu kommt, dass es manchen einfach nicht gefällt, dass bereits andere Menschen das Geschenk vielleicht mehrere Jahre lang in Gebrauch hatten.

Ngoc Nguyen

Second-Hand-Geschenke: Würden Sie sich darüber freuen?

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Kulturhauptstadt: Holt Nürnberg den Titel?

„Wir haben’s gerockt“, sagte ein glücklicher Hans-Joachim Wagner am Abend nach der großen Erleichterung. Der Leiter des Nürnberger Bewerbungsbüros für die Kulturhauptstadt 2025 meinte damit den Auftritt seiner Delegation vor der europäischen Jury, die in Berlin die acht deutschen Bewerberstädte begutachtete. Die Performance nach Art des berühmten „Männleinlaufens“ der Frauenkirche und das 60-seitige Bewerbungsbuch verbuchten einen Erfolg: Nürnberg steht zusammen mit Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Magdeburg in der Endauswahl.

Nun werden Franken nur zögerlich übermütig, aber der mögliche Zuschlag ist damit greifbarer geworden. Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ birgt die riesige Chance für eine Stadt, nachhaltig mehr aus sich zu machen: sozial, ökonomisch, ökologisch und städtebaulich die eigene Zukunft verbindlicher anzupacken als im alltäglichen Trott. Nürnberg hat solide Ideen vorgelegt, wenn auch viele davon noch sehr akademisch und pädagogisch aufgeladen. Den Bedarf an Stadt- und Kulturerneuerung, den die Jury spüren will, kann es glaubhaft nachweisen. Und die Außenwirkung der Stadt, die sich meist auf „Nazi-Zeit“ und „irgendwie alt“ beschränkt, hat einfach Verbesserungspotenzial.

Mit der ungewöhnlich hohen Zahl von vier Mitbewerbern sinkt jetzt aber auch die Wahrscheinlichkeit, in einem Jahr das Finale zu gewinnen. Die ostdeutschen Konkurrenten etwa litten nicht weniger unter dem Strukturwandel, und gesellschaftspolitische Gräben fordern sie derzeit ärger als den vergleichsweise beschaulichen Süden heraus. Hannover wiederum versucht brandaktuell, mit seinen Projekten den „Brexit“ abzufedern, Hildesheim will die vergessene Provinz in den Fokus rücken – beides gute europäische Argumente.

Die Zeit bis zum zweiten Bewerbungsbuch und zum Ortsbesuch der Juroren im Sommer ist kurz. Das Bewerbungsbüro muss jetzt Dampf machen, Mitarbeiter aufstocken, das künstlerische Programm mit Kuratoren festzurren, Verwaltungsvorgänge beschleunigen. Gleichzeitig gilt es, breitere Bevölkerungsschichten zu mobilisieren. Im Frühjahr lenkt auch noch die Kommunalwahl ab. Grund zu Optimismus?

Isabel Lauer

Kulturhauptstadt: Holt Nürnberg den Titel?