Ist der Norisring noch zeitgemäß?

Sind Autorennen noch zeitgemäß? Wir haben die Frage in dieser Rubrik schon in früheren Jahren gern gestellt. Doch 2019 gelten neue Vorzeichen. Klimaschutz, besser gesagt: versäumter Klimaschutz, bewegt inzwischen eine breitere Masse. Die weltweite Jugendbewegung „Fridays for Future“, der Kohleausstieg und der Trend zur E-Mobilität polarisieren heftig. Da muss sich eine Motorsport-Großveranstaltung wie das DTM-Rennen (Foto: Zink) an der Nürnberger Zeppelintribüne auch die Bestandsaufnahme gefallen lassen. Kann man auf affenstarke Verbrennungsmotoren wirklich noch stolz sein? Oder soll der Rennsport als Unterhaltungsbastion bitte verschont bleiben von klimafreundlicher Renovierung?

Isabel Lauer

Ist der Norisring noch zeitgemäß?

Vergünstigtes VAG-Ticket für Senioren?

Die Grünen haben die Stadtverwaltung aufgefordert, auszurechnen, was ein verbilligtes Ticket für Senioren für den öffentlichen Nahverkehr kosten würde (Foto: Distler). Die Umweltpartei hatte dabei vor allem die wachsende Altersarmut im Blick. Aber könnte man nicht generell älteren Menschen einen ermäßigten Tarif für Bus und Bahn gewähren? Die Deutsche Bahn, hat ja auch eine Bahncard für über 60-Jährige im Angebot. Man würde die Lebensleistung der Senioren würdigen und vielleicht viele der Älteren dazu bewegen, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen. Zudem wäre dies auch eine Reaktion auf eine älter werdende Stadtgesellschaft. Und das Ansinnen der Grünen, ärmeren Senioren durch günstige Fahrten im ÖPNV mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, hat durchaus auch seine Berechtigung. Auf der anderen Seite gibt es auch viele gut betuchte Rentner, die auf solche Tickets nicht angewiesen sind. Und für ärmere Senioren existiert bereits ein verbilligtes Monatsticket, das sich zumindest für Vielfahrer rechnet. Außerdem müsste die Stadt die Einnahmeverluste der ohnehin rote Zahlen schreibenden VAG ausgleichen, die durch die Billigtickets vermutlich entstehen.

Marco Puschner

Vergünstigtes VAG-Ticket für Senioren?

Dieselkompromiss: Ist er gelungen?

Lange hat es gedauert, bis sich die Koalition in Berlin endlich auf einen Diesel-Kompromiss geeinigt hat. Kaum war das Ergebnis der nächtlichen Sitzung bekannt geworden, hagelte es auch schon Kritik. Umtauschprämien und Unterstützung bei der Hardware-Nachrüstung – aber nur in den 14 Städten mit der höchsten Luftbelastung (Foto: dpa). Nürnberg gehört, wie berichtet, nicht dazu. Zwar soll es Geld für die kommunale Busflotte und die Lieferfahrzeuge der Handwerker geben – aber der Rest der Diesel-Fahrer geht leer aus. Der Verbraucher muss sich verschaukelt fühlen, selbst wenn er in einer der 14 „Intensiv-Städte“ lebt. Denn längst ist noch nicht klar, wer eigentlich wie viel bezahlt. Eine Reihe von Automobilherstellern hat bereits angekündigt, dass sie sich nicht in der Lage fühlt, finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Sind letztendlich die Konzerne am Ende die großen Gewinner?

Gabi Eisenack

Dieselkompromiss: Ist er gelungen?

Brauchen die Bauern Dürrehilfen?

Wegen der wochenlangen Dürre in vielen Regionen Deutschlands können die Landwirte auf staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zählen. Allein in Mittelfranken könnten bis zu 5000 Betriebe betroffen sein, hat der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Günther Felßner, kürzlich im NZ-Gespräch gesagt.

Bund und Land teilen sich die Summe. Die Hitzewelle sorgte dafür, dass bis zu 10000 Betriebe in ihrer Existenz gefährdet sind – noch mehr, als im Jahr 2003, als der Bund letztmals Dürrehilfen zahlte. Insofern scheint es verständlich, dass der Bund einschreitet und den Bauern hilft.

Kritiker aber sagen, dass die Gelder vor allem Großbetrieben zugutekämen, die zu sehr ins Risiko gegangen seien. Wer solide wirtschaftet nach dem Motto „Eine Ernte im Feld, eine im Lager, eine auf der Bank“ überlebe auch diese außergewöhnliche Hitze. Große Unternehmen, die in schnelles Wachstum investiert hätten, kämen dagegen nun in die Bredouille und würden daher die Hilfen beantragen. Außerdem, so die Kritiker, senkten die Hilfen den Druck auf die Bauern, selbst die Initiative zu ergreifen und ihre Betriebe besser auf den Klimawandel einzustellen.

Marco Puschner

Brauchen die Bauern Dürrehilfen?

„Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ins Gespräch gebracht und ist damit in der Union auf sehr viel Zustimmung gestoßen. Junge Menschen sollen demnach im Anschluss an die Schule ihre Arbeitskraft ein Jahr der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Damit ist keine Wiedereinführung der ausgesetzten Wehrpflicht gemeint, obgleich das Militär ein Ort ist, an dem die jungen Leute den Dienst ableisten können.
Aber der Idee nach wäre es genauso möglich, sich in sozialen, ökologischen oder kulturellen Einrichtungen zu engagieren. Befürworter glauben, dass ein solches verpflichtendes Gesellschaftsjahr den Bürgern eines wohlhabenden Landes durchaus abverlangt werden könne. Soziale Träger, die unter dem Wegfall des Zivildienstes litten, könnten die Kräfte gut brauchen. Zudem würde die Gesellschaft enger zusammenrücken, denken die Verfechter der Idee. Und obendrein sei es auch eine Chance für die jungen Leute, sich beruflich zu orientieren und Tätigkeitsfelder kennenzulernen, auf die sie sonst vielleicht nicht stoßen würden.
Allerdings geht das bisher auch schon, wenngleich auf freiwilliger Basis – man kann ein soziales Jahr einlegen oder sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren (Foto: dpa). Vertreter von SPD, Grünen, Linken und FDP haben sich denn auch skeptisch gezeigt, ob eine allgemeine Dienstpflicht wirklich sinnvoll ist. Hans-Peter Bartels (SPD) zum Beispiel äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, Zwangsarbeit sei schließlich verboten. Die Linkspartei befürchtet, dass junge Leute über ein solches System instrumentalisiert werden könnten, um Notstände in der Pflege zu verringern. FDP und Grüne sehen durch ein Pflichtjahr einen massiven Eingriff in die individuellen Rechte der jungen Leute und lehnen es daher ab.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.

Marco Puschner

"Pflichtjahr: Soll es eingeführt werden?"

Dicke Luft: Würden Sie auf Ihr Auto verzichten?

Wer auf sein Auto angewiesen ist, bekommt es vor allem während der Hauptverkehrszeiten in Nürnberg täglich zu spüren: Die Pkw-Massen wälzen sich durch die Straßen, der Verkehr stockt – von der anschließenden Parkplatzsuche ganz zu schweigen. Autofahren macht in Nürnberg wenig Spaß. Hinzu kommt das Problem der Luftverschmutzung. Stickoxide verursachen schwere gesundheitliche Probleme. Dieses Problem ließe sich zwar durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen, die Blechlawine bliebe aber die gleiche – ganz zu schweigen von der umweltschädlichen Herstellung und Entsorgung der Akkus.

Es gibt Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, etwa weil sie auf dem Land wohnen und keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können. Doch die Mehrzahl der Nürnberger fährt mit dem Auto Strecken unter fünf Kilometern, die in vielen Fällen sicher auch mit Bus, Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden könnten.

Obwohl viele junge Leute heutzutage auf ein Auto gut verzichten können und es zum Teil sogar als Belastung empfinden, gibt es immer noch zahlreiche Menschen, denen ihr Gefährt lieb und teuer ist. Sei es, weil sie darauf angewiesen sind, weil es für sie ein Statussymbol darstellt, weil sie sich damit ungebundener fühlen als mit anderen Verkehrsmitteln oder weil ihnen Autofahren schlichtweg Spaß macht.

Stephanie Siebert

Dicke Luft: Würden Sie auf Ihr Auto verzichten?

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Wenn der olympische Gedanke noch nicht tot ist, so kränkelt er zumindest chronisch. Nicht erst jetzt, wenige Tage vor Beginn der Winterspiele in Südkorea, mehren sich wieder die ablehnenden Stimmen. Olympia – ist das eigentlich etwas anderes als eine Dauerwerbesendung und ein Konjunkturprogramm für die Baubranche? Und sollte das Publikum nicht besser ins örtliche Stadttheater gehen, wenn es eine Tragikomödie über Betrug und Bestechlichkeit des Menschen sehen will?

Nach den dopingverseuchten Radrennen und der ins Zwielicht geratenen Fifa hat mittlerweile auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Ansehen schwer gelitten. Es bekommt die Doping-Probleme nicht in den Griff, im Gegenteil. Der Umgang mit betroffenen Teilnehmern aus Russland war halbherzig, jetzt hebeln auch noch Sportrichter verhängte Sperren wieder aus. Skirennfahrer Felix Neureuther tat am Wochenende in einem Interview nicht als Erster sein Unbehagen kund. Der Glanz der Medaillen verblasse, kritisiert er, weil das Programm aufgebläht und kommerziell sei. Die Athleten selbst müssten endlich protestieren.

Was gibt es überhaupt noch Gutes über Olympia zu sagen, von der Traditionswahrung abgesehen? Vielleicht dass der Sport in einer mehr denn je zerstrittenen Welt eines der letzten Instrumente für Völkerverständigung darstellen kann – gerade im Fall der beiden Koreas? Oder der Bildungsaspekt. Als Zuschauer kann man abwegige Sportarten entdecken, atemberaubende Spitzenleistungen sauberer Athleten bewundern, von denen sich zu Hause auf dem Sofa nur träumen lässt. Olympia war immer auch Unterhaltung und Emotion. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Isabel Lauer

Skandale: Ist Olympia noch attraktiv?

Frankenschnellweg: Glauben Sie noch an den Ausbau?

Der Frankenschnellweg wird im Volksmund gerne Frankenschleichweg genannt und das wird er auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. Die jüngste Hiobsbotschaft kam dieser Tage aus dem Rathaus: Die Umweltverträglichkeitsstudie, die die Stadt nachliefern muss, wird erst im Sommer fertig – eigentlich hätten die Ergebnisse schon im Dezember vorliegen sollen. Aber es haben sich Probleme aufgetan, die die Stadt nach Ansicht des Bund Naturschutz (BN) längst hätte erkennen müssen. So muss nun zum Beispiel in die Berechnungen einfließen, wie sich der Baustellen- und der Umleitungsverkehr großräumig auf die Luftqualität der betroffenen Viertel auswirkt.
Wer die Diskussion der letzten Jahre erlebt hat, könnte allmählich den Eindruck bekommen, der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs wird nie vollendet. Umweltschützer stellen sich quer, der BN klagt dagegen, die Stadt muss Umplanungen vornehmen. Seit Jahrzehnten wird über das Vorhaben gestritten, immer wieder schien der Start des mittlerweile über 500-Millionen-Euro schweren Projekts in einigermaßen greifbare Nähe zu sein. So sollte eigentlich im Mai 2015 mit der Verlegung der Sparten für Strom, Gas und Wasser begonnen werden. Doch dann zogen die Ausbaugegner vor Gericht. Das wiederum verwies die Angelegenheit weiter an den Europäischen Gerichtshof. Nach dessen Urteil vom November 2016 soll die Stadt eine Umweltverträglichkeitsprüfung nachreichen. Daran arbeitet sie derzeit noch.

Gabi Eisenack

Frankenschnellweg: Glauben Sie noch an den Ausbau?

Radschnellwege – eine gute Idee?

Im Großraum Nürnberg könnte es künftig Radschnellwege geben. Zumindest empfehlen es drei Planungsbüros in einer Machbarkeitsstudie. Diese Woche wurden die Ergebnisse vorgestellt. Sieben Strecken haben die Experten genau untersucht. Ob alle gebaut werden, ist noch offen. Die Zuständigkeiten sowie die Finanzierung wären noch zu klären. Die Stadt Nürnberg verspricht sich einiges von den Radschnellwegen und zeigt sich zuversichtlich, dass die Bürger sie annehmen, auch, weil immer mehr von ihnen E-Bikes und Pedelecs nutzen.

Doch ob die Menschen tatsächlich diesen Schritt tun, ist ungewiss. Hinzu kommt, dass die Strecken einiges kosten. Sollten alle sieben Routen gebaut werden, würden rund 150 Millionen Euro dafür anfallen, hieß es bei der Vorstellung der Studie.

Doch die Schätzung von heute bedeutet nicht immer die Realität von morgen: Es ist anzunehmen, dass die Kosten eher noch steigen – für die Baumaßnahmen und für die Grundstücke, die den Besitzern abgekauft werden müssten, um dort die Strecken zu legen. Auch wenn es Förderungen für den Bau möglich wären, wird das Vorhaben die Stadt etwas kosten. Um den Verkehr zu entlasten und die Umwelt zu schützen, könnte die Stadt dieses Geld stattdessen für den weiteren Ausbau der Radwege innerhalb der Stadt oder für die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Radschnellwege – Eine gute Idee?

Nervt Sie der Gelbe Sack?

Er kam Anfang der 90er Jahre, und seitdem bleibt es kompliziert mit ihm. Die Kritik am Gelben Sack reißt nicht ab. „Abreißen“ ist da schon ein Stichwort: Dass diese Müllbeutel so leicht zerreißen, ist noch eines der kleineren Ärgernisse. Als größtes gilt sicher die inkonsequente Handhabung. In Deutschland wird wegen wirtschaftlicher Fehlanreize nur knapp die Hälfte der Verpackungen, die Haushalte im Sack und in der gelben Tonne sammeln, wiederverwertet – der andere Teil wird verbrannt wie Restmüll.

Bis heute verstehen die wenigsten Bürger, was hineindarf (nur Verpackungen, für deren Entsorgung der Handel gezahlt hat) und was nicht (andere Kunststoffteile), es gibt eine hohe Quote sogenannter „Fehlwürfe“. Auch ist der Sack nicht gerade stadtbildverschönernd – Grund zu Dauerbeschwerden im Rathaus. Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel hat jetzt härtere Strafen angekündigt, falls man den Sack früher als einen Abend vor der Abholung an die Straße stellt. Was man dem Gelben Sack trotzdem zugutehalten kann: Er fördert wenigstens teilweise die Mülltrennung und das Bewusstsein für Wertstoffe.

Isabel Lauer

Nervt Sie der Gelbe Sack?